ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2000Archäologie: Schätze in der Unterwelt

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Archäologie: Schätze in der Unterwelt

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): A-2115 / B-1796 / C-1606

Scheiper, Renate V.

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LNSLNS An drei der neuen Athener Metrostationen sind in Vitrinen erstaunliche Funde zu sehen.

Seit 1992 mussten Athener und Touristen mit Bauzäunen mitten in Athen am Syntagma- und Omoniaplatz leben, mit bei Tag und Nacht andauerndem Baumaschinengeratter, mit durch die Fahrbahneinengungen verstopften Straßen. Es war für alle eine achtjährige Geduldsprobe.
Doch seit Ende Januar 2000 strahlt die Metro-Station am Syntagmaplatz in Marmor und Chrom, rauschen die schicken, modernen Bahnen im Vier- bis Zehnminutentakt in die marmornen Bahnsteige ein, hinaus zum Vorort Kifissia zum Beispiel. Nach Piräus muss man am neu gestalteten Omoniaplatz umsteigen.
Einen großen Teil Schuld an der achtjährigen Tortur tragen die Archäologen. Mit Argusaugen überwachten sie die notwendigen Bohr- und Ausschachtungsarbeiten im Untergrund der Stadt und stoppten den Fortgang, sobald fundträchtiges Gelände erreicht war. Das war fast überall ab siebzig Zentimeter Tiefe bis zu sieben Metern der Fall. „Selbst wir Archäologen sind überrascht darüber, auf welche sensationellen Funde wir stießen“, begeistert sich die Archäologin Olga Zachariadou, unter deren Leitung hundert Arbeiter und 14 Archäologen und Techniker eineinhalb Jahre in der Region des Syntagmaplatzes gruben.
Auf die bis dahin nur aus der antiken Literatur bekannte Wasserleitung des Tyrannen Peisistratos stießen sie, der im 6. vorchristlichen Jahrhundert erstmals den Stadtstaat Athen mit Frischwasser aus dem Bergzug des Hymettos versorgen ließ. Sorgfältig vermufft waren die Teilstücke noch und mit Reinigungsöffnungen versehen. Im von den Römern mit Zivilisationsschutt verfüllten Flussbett des Eridanos kam Erstaunliches zutage. Unter dem heutigen Syntagmaplatz – damals vor den Toren Athens – wurden über Jahrhunderte Tote bestattet mit herrlichen Grabbeigaben wie sorgfältig bemalte Gefäße, Schmuck, Glas und Bronzegegenstände. Marmor- und Bronzestatuen kamen ans Licht, sogar das Grab eines Hundes mit kostbarem Halsband und zwei Glasgefäßen.
Schnell entschieden Archäologen und Metroverwaltung, diese erstaunliche Vergangenheit in die Gegenwart einzubeziehen. An drei der neuen Metrostationen – Syntagma, Panepistimio, Evangelismos – sind in Vitrinen der marmor- und chromglänzenden Obergeschosse effektvoll beleuchtet Kapitelle, Grabsteine, Münzen, Schmuck, Statuetten, jede Menge Webgewichte und Teile der Wasserleitung zu sehen. Attraktion ist in der Station Syntagma das Skelett eines Verstorbenen mit Grabbeigaben hinter Glas in einer Wand, die die sich über Jahrhunderte erstreckenden senkrechten Schichten der früheren Zivilisationen dokumentieren. Im nahen Kykladenmuseum sind in einem Sondertrakt weitere kostbare Funde ausgestellt, wie zum Beispiel das Hundegrab, zierlich bemalte Grabvasen und Schminktöpfchen, Amphoren, Münzen bis in die byzantinische Zeit und die großen Marmor- und Bronzestatuen. Luftaufnahmen zeigen, wie es in Athens Unterwelt während der Grabungsarbeiten hinter den Bauzäunen aussah.
Weitere Informationen: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Neue Mainzer Straße 22, 60311 Frankfurt/ Main, Telefon: 00 69/23 65 61-63, Fax: 23 65 76.
Renate V. Scheiper

Römischer Grabstein, 150 n. Chr.

Das Museum of Cycladic Art, Neophytou Straße 4, ist bis zum Dezember 2001 geöffnet von 10 bis 16 Uhr, samstags bis 15 Uhr, sonntags und dienstags geschlossen, Eintritt: 1 000 Drachmen (circa 6,50 DM). Der großformatige, 413 Seiten starke Kunstdruckkatalog (in englischer Sprache) mit hervorragenden Abbildungen kostet 25 000 Drachmen.
Die U-Bahn fährt täglich ab 5.40 bis 24 Uhr. Einfache Fahrt: 250 Drs, Tagesticket: 1 000 Drs.

U-Bahn-Station Syntagma:
Vitrinen mit Funden, Öllämpchen, Webgewichten
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