ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2000Aktien: Von Todeslisten und enttäuschten Hoffnungen

VARIA: Schlusspunkt

Aktien: Von Todeslisten und enttäuschten Hoffnungen

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): [68]

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Spiegel brachte es, genau besehen, nicht an den Tag. In einer seiner letzten Ausgaben warnte das Nachrichtenmagazin vor einem Ende der Party am Neuen Markt und anderen internationalen Wachstumsbörsen. Der jungen Online-Wirtschaft drohe eine weltweite Pleitewelle, und in Deutschland werde „20 der 56 börsennotierten Internetfirmen in den nächsten drei Jahren das Kapital ausgehen“.
Die Weisheit des Spiegels speist sich aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC), die über rund einem Drittel der untersuchten Firmen das Damokles-Schwert der akuten Geldnot hängen sieht. Leider nennen die PwC-Analysten weder Ross noch Reiter.
So richtig die Befüchtungen sein mögen, neu sind sie nun wirklich nicht. Oft genug habe ich an dieser Stelle auf die Gefahren der Zockerbude „Neuer Markt“ hingewiesen und vor einem drohenden Absturz gewarnt, der ja nun auch in aller Deutlichkeit eingetreten ist.
Immerhin aber wurde diese wellenschlagende Studie von vielen Finanzredakteuren aufgegriffen, und manche kreierten daraus ihre eigenen „Todeslisten“. Schlimm genug, dass darunter auch einige renommierte Wirtschaftsmagazine waren, die sich offenbar nicht schämten, Aktien des Neuen Marktes, die sie selbst noch vor einem Jahr hochjubelten, jetzt auf irgendwelche Weltuntergangszettel zu setzen.
Ziemlich enttäuscht bis entsetzt zeigen sich derzeit auch Aktionäre der Deutschen Telekom. Anfang Juni rührte Vorstandsvorsitzender Ron Sommer noch kräftigst die Werbetrommel für die dritte Privatisierungstranche, und Tausende von Anlegern machten mit, der Aktienkurs werde es schon richten.
Was viele so nicht erwartet haben, war ein Abstieg auf Raten. Heute registrieren die Investoren mit einem Kurs von nur noch rund 50 Euro eine deutlich schwächere Börsennotiz. Die Ursache ist auch schnell ausgemacht: Die meisten Experten beurteilen den Kaufpreis (106 Milliarden Mark) für den US-Konzern VoiceStream als völlig überzogen. Die Börse strafte die Deutsche Telekom damit zu Recht ab. Eine günstige Kaufgelegenheit verheißt die aktuelle Notiz damit keineswegs. Meiner Meinung nach ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Kurse von um die 40 Euro sind durchaus zu erwarten.
Auch bei DaimlerChrysler fallen die Anleger von einem Wechselbad der Gefühle in das nächste. Positive Nachrichten (Verkauf Adtranz) sind selten, Hiobsbotschaften mehren sich. Die ehemals hochgelobten Synergieeffekte aus der Fusion haben sich nahezu in Luft aufgelöst. Chrysler selbst hat in den USA mit erheblichen Absatzproblemen zu kämpfen. So ist auch hier fürderhin mit eher noch schwächeren Börsenkursen zu rechnen. Wer sich darauf einstellt, ist wenigstens gut vorbereitet.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema