ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2000Rechte Gewalt: Deutliche Worte

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Rechte Gewalt: Deutliche Worte

Dtsch Arztebl 2000; 97(33): A-2125 / B-1802 / C-1697

Gerst, Thomas

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LNSLNS Ende des Jahres 1999 waren in Deutschland 14 243 ausländische Ärztinnen und Ärzte berufstätig. Ohne den Einsatz von ausländischem Personal ständen die deutschen Krankenhäuser vor dem Kollaps. Eine ausreichende Versorgung der Patienten wäre nicht möglich. Angesichts der vielen Übergriffe gegen Ausländer in Deutschland sind die Gesundheitsberufe in besonderer Weise betroffen. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die beiden obersten Repräsentanten der deutschen Ärzte, der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, und der Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, unmissverständlich gegen die rechte Gewalt Stellung bezogen haben.
„Uns Ärzte erfüllt es mit Zorn, dass Ausländer, Menschen anderer Hautfarbe, Obdachlose und andere Minderheiten immer wieder Opfer rechter Gewalt werden“, erklärte Hoppe. Die Bundes­ärzte­kammer unterstützt die von Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye und Repräsentanten des Zentralrats der Juden in Deutschland ins Leben gerufene Initiative „Gesicht zeigen“, die die Abwehr des Rechtsextremismus zur Sache aller Bürger dieses Landes machen will. Ohne ausländische Ärzte und Pflegekräfte hätte sich das deutsche Gesundheitswesen nicht zu einem der leistungsfähigsten der Welt entwickeln können, führte Hoppe aus.
Richter-Reichhelm fordert dazu auf, die Menschen verachtende Ideologie der Rechtsradikalen mit allen Mitteln des demokratischen Rechtsstaates zu bekämpfen. Gerade der dem Ethos der Menschlichkeit verpflichtete Arzt sei dazu aufgerufen, jeglicher Form rechter Gewalt entgegenzutreten. „Hinsehen und Zivilcourage jedes Einzelnen von uns sind gefordert, um zu verhindern, dass wieder eine Ideologie um sich greift, die Deutschland schon einmal in den Abgrund gerissen hat.“
Hoffentlich zeigen die vielen Appelle gegen Fremdenhass Wirkung. Anderenfalls ist auch der Forschungsstandort Deutschland bedroht. Immer mehr Spitzenforscher aus dem Ausland sind wegen der fremdenfeindlichen Übergriffe vor allem im Osten Deutschlands verunsichert und schrecken vor einer Tätigkeit an den Forschungseinrichtungen dort zurück. Und die Krankenhäuser, die in Zukunft mit zahlungskräftigen Patienten aus dem Ausland rechnen, werden feststellen, dass sich damit in einem fremdenfeindlichen Umfeld kein Geschäft machen lässt. Thomas Gerst
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