ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2000Ambulante Versorgung: Schwarzer Peter

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Ambulante Versorgung: Schwarzer Peter

Dtsch Arztebl 2000; 97(33): A-2125 / B-1802 / C-1697

Richter, Eva A.

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LNSLNS Die Stimmung zwischen den niedergelassenen Fachärzten und den Hausärzten ist gereizt. Im Vorfeld der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin wiesen beide „Lager“ auf ihre prekäre Situation hin.
„Wer sich heute ruinieren will, muss nicht mehr in eine Spielbank gehen, es reicht, eine Facharztpraxis zu führen“, sagte Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg, Präsident der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsver-bände. Die Stärkung der Hausärzte gehe eindeutig zulasten der Fachärzte. Einige fachärztliche Praxen, besonders in Ostdeutschland, stünden bald vor dem Bankrott. Dabei sei die ambulante fachärztliche
Versorgung der zentrale Bestandteil des deutschen Medizinsystems, erklärte Rüggeberg. Das Ansinnen der Hausärzte, die Lotsenfunktion für die Patienten im Gesundheitswesen übernehmen zu wollen, weist er als falsch und kostentreibend zurück.
Aber auch die Hausärzte sind unzufrieden. Als „schallende Ohrfeige“ für alle hausärztlich tätigen Ärzte bezeichnet die Gemeinschaft Hausärztlicher Berufsverbände (GHB) die Beschlüsse des Bewertungsausschusses vom 20. Juni dieses Jahres. Danach sollen – so die GHB – nur fünf EBM-Ziffern neben der „Hausärztlichen Grundvergütung“ von den Hausärzten abrechenbar sein. Die Stärkung der Hausärzte laufe somit ins Leere.
Sie fordern eine Erweiterung ihres Leistungskatalogs um hausärztliche Aufgaben, die von Fachärzten nicht abgerechnet werden dürfen, sowie die Vergütung von fachärztlichen Leistungen (beispielsweise von Kinderärzten) aus dem Facharzttopf.
Grund für den Konflikt sind die mit der Gesundheitsreform 2000 eingeführten getrennten Honorartöpfe für die hausärztliche und fachärztliche Versorgung. Da die Gesamtvergütung auf etwa 45 Milliarden DM begrenzt bleibt, bedeutet die Strukturänderung lediglich ein Verschieben der Honoraranteile. Solange der Gesetzgeber nicht mehr Geld für die ambulante Versorgung bereitstellt und die sektoralen Budgets bestehen bleiben, werden sich die Haus- und Fachärzte wohl weiter gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben.
Dr. med. Eva A. Richter
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