ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2000Brustkrebsskandal: Verbrannt

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Brustkrebsskandal: Verbrannt

Dtsch Arztebl 2000; 97(33): A-2130 / B-1806 / C-1722

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LNSLNS Staatsanwaltschaft musste Anklage gegen neun Beschuldigte einstellen.
Die Staatsanwaltschaft kann den Essener Brustkrebsskandal nicht mehr vollständig aufklären. 33 Frauen hatten Anfang 1999 Anzeige erstattet, weil sie vermuten, dass sie sich aufgrund fehlerhafter Brustkrebs-Diagnosen eine gesunde Brust haben amputieren lassen. Die Anzeigen galten zwölf Ärzten und Vertretern von Aufsichtsbehörden. Nun musste die Staatsanwaltschaft gegen neun Beschuldigte die Ermittlungen einstellen.
Die zentrale Figur der Affäre war ohnehin nicht darunter: Die fragwürdigen Diagnosen hatte der Pathologe Josef Kemnitz gestellt – vermutlich absichtlich falsch. Als der Arzt 1996 wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt werden sollte, tötete er sich durch einen selbst gelegten Brand in seinen Laborräumen. Bei einem früheren, vermutlich auch von Kemnitz verursachten Feuer waren bereits viele der Gewebeproben vernichtet worden, in denen der Arzt Krebs erkannt haben wollte.
„Das ist der Grund, warum wir die Ermittlungen einstellen müssen, obwohl wir Zweifel an der Richtigkeit der Diagnosen haben“, so die Staatsanwaltschaft: „Ohne Gewebeproben können wir die Fehldiagnosen nicht nachweisen.“
Gegen drei Essener Ärzte laufen die Ermittlungen jedoch weiter. Ein Gutachten hatten ihnen bescheinigt, dass sie in 18 Fällen bei Diagnose und Operation offenbar gegen Grundregeln ihres Handwerks verstoßen hatten. „Selbst wenn diese Frauen tatsächlich Krebs gehabt haben sollten“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, „sind das Hinweise auf Kunstfehler, die wir abklären müssen.“
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