ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2000Expo 2000 – Der Deutsche Pavillon: „Brücken in die Zukunft“

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Expo 2000 – Der Deutsche Pavillon: „Brücken in die Zukunft“

Dtsch Arztebl 2000; 97(33): A-2153 / B-1829 / C-1721

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Der Pavillon des Gastgeberlandes folgt der Dramaturgie „Denken – Handeln – Fühlen“.

Kein geringerer als Augustinus lieferte das Motto für den Deutschen Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover: „Zeiten sind drei: eine Gegenwart von Vergangenem, eine Gegenwart von Gegenwärtigem, eine Gegenwart von Künftigem.“ Bereits die äußere Gestalt mit der aus 2 900 Glaselementen zusammengesetzten Fassade soll das Gebäude als „bewusste Distanzierung von der preußisch-starren Haltung der deutschen Vergangenheit und als Fortsetzung der demokratischen Tradition mit architektonischen Mitteln verstanden wissen“, so die Trägergesellschaft Deutscher Pavillon.
Deutschland im Aufbruch, geprägt von Menschen der Gegenwart und Zukunft, will die so genannte Ideenwerkstatt präsentieren. Womit gleichzeitig auch schon die Antwort auf die Frage gegeben ist, die sich manch einer gestellt haben wird: „Was ist der Sinn dieser
chaotischen Halle?“ Auch die 47 halbfertigen oder fertigen Skulpturen und Büsten bekannter und weniger bekannter Deutscher stehen, so die Trägergesellschaft, „für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands in seinen unterschiedlichen Facetten wie Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft oder Sport“. Die Auswahl erscheint allerdings recht willkürlich. Zu sehen sind die Gipsskulpturen beispielsweise von Janosch, Heinrich Böll, Dr. Motte (Begründer der Love-Parade), Hans Beck (Erfinder der Playmobilmännchen), Reinhard Mohn, Thomas Mann, Albert Einstein, Stefanie Graf (aber nicht von Boris Becker), Erich Kästner, Romy Schneider, Konrad Adenauer, Marlene Dietrich, Ludwig van Beethoven (aber nicht von Johann Sebastian Bach). Zu sehen ist auch die Büste von Rupert Neudeck, dessen Organisation Cap Anamur in zahlreichen Krisengebieten der Welt medizinische Hilfe gewährt. Erinnert wird außerdem an Mildred Scheel, die 1974 die Deutsche Krebshilfe gegründet hatte. Der Ärztin, die 1985 selbst an Krebs starb, ist unter anderem die Einführung der Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zu verdanken. An das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte gemahnt unter anderem die Skulptur der Studentin Sophie Scholl, die gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Medizinstudenten Hans Scholl, und Freunden in den Flugblättern der „Weißen Rose“ in der Münchener Universität 1943 zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufrief. Die Mitglieder der Organisation wurden verraten und vom NS-Regime ermordet.
Während die „Ideenwerkstatt“ das „Denken“ ansprechen soll, sind für den Bereich „Fühlen“ die „Brücken der Zukunft“ zuständig, die dem gesamten deutschen Bereich den Namen gegeben haben. In dem „Erlebnisraum“ sind Leinwände oben, unten, rechts, links, vorn und hinten angebracht. Sechs Brücken erschließen den 70 Meter langen, 25 Meter breiten und 17 Meter hohen Raum, der gleichzeitig begehbarer Film und begehbares Bühnenbild ist. Gezeigt wird im Erlebnisraum ein sechsminütiger Film mit dem Titel „Deutschland mittendrin“. Ausgangspunkt dieses Films ist ein Nachbarschaftsfest in einem Berliner Innenhof: Menschen kommen zusammen, tauschen Erinnerungen aus und sprechen über ihre Wünsche an die Zukunft, ihre Gedanken, Träume und Visionen – ein Film allerdings, der den Zuschauer eher ratlos zurücklässt.
Im „Mosaik Deutschlands“, der dem Bereich „Handeln“ gewidmet ist, sollen die 16 Bundesländer in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit vorgestellt werden. Rund um eine 15 Meter hohe Stahlkonstruktion, den „Baum des Wissens“, gruppieren sich 16 Exponate, die jeweils ein Bundesland repräsentieren. Gezeigt wird zum Beispiel die Gutenberg-Bibel aus Rheinland-Pfalz oder der erste Benz-Patent-Motorwagen aus Baden-Württemberg. Der Freistaat Sachsen ist durch den Gläsernen Menschen repräsentiert, der 1930 erstmals im Deutschen Hygiene-Museum ausgestellt wurde. Die „durchsichtige Haut“ erlaubte zum ersten Mal eine dreidimensionale Sicht in das Innere des menschlichen Körpers – auf Nerven, Adern, Organe und Knochen.
Informationen: Tel.: 05 11/2 28 30-1 00, Fax: 05 11/2 28 30-1 09, Internet: www. deutscher-pavillon.de Gisela Klinkhammer

Die Fassade des Deutschen Pavillons ist aus 2 900 Glaselementen zusammengesetzt. Foto: Expo
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