ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2000Telekom: Glanz und Elend

VARIA: Schlusspunkt

Telekom: Glanz und Elend

Dtsch Arztebl 2000; 97(33): [128]

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LNSLNS ls die Aktie der Deutschen Telekom im März dieses Jahres die Hürde von 100 Euro nach oben durchbrach, da bejubelten die Börsianer den Kurssprung euphorisch.
Doch die vielen optimistischen Studien, von denen etliche schlicht voneinander abgeschrieben waren, berücksichtigten eben nicht, dass es auch in der Welt von High Tech und New Economy sträflich enden muss, wenn fundamentale Erwägungen außer Acht gelassen werden.
Getreu dem Börsenbonmot, dass der Markt (letztlich) immer Recht hat, trat der Kurs der Deutschen Telekom in den letzten Monaten einen gewaltigen Rückzug an. Mit einer aktuellen Notiz von 45 Euro liegt die Aktie gut 50 Prozent unter dem Frühjahrshoch.
Bei nicht wenigen Anlegern verursachte dieser enorme Abstieg ziemliches Bauchgrimmen. Manch andere sind auch richtig sauer auf Telekom-Chef Ron Sommer, der noch unlängst die Aussichten des Bonner Kommunikationsriesen in den höchsten Tönen lobte.
Die Wahrheit spricht indes mit anderen Zungen. In den letzten Wochen muss sich die Deutsche Telekom mit einer Hiobsbotschaft nach der anderen herumschlagen. Der Telekom-Sprössling T-Online, mit vielen Vorschusslorbeeren am Neuen Markt gestartet, notiert mittlerweile unter Emissionspreis. Zu allem Unglück wurde jetzt noch der Börsengang von T-Mobile wegen des labilen Umfelds vorläufig abgeblasen.
Aber auch bei der Mutter selbst läuft einiges unrund. Dabei hätte es jeder im Grunde wissen müssen: Der Wandel vom staatlichen Monopolisten zum modernen global agierenden Hochtechnologiekonzern lässt sich eben nicht in kurzer Zeit vollziehen.
Quasi-Staatsdiener und verkrustete Telefonbeamte gibt es bei der Deutschen Telekom noch zuhauf. Wer sich mit aktuellen Problemen mit dem Bonner Riesen rumquälen muss, sich mit „nicht zuständigen“ Mitarbeitern konfrontiert sieht, weil dies und jenes nicht funktioniert, in stundenlangen Warteschleifen gemartert wird, weiß genau, wovon ich spreche.
Auch die Ertragsseite dürfte eher dafür sorgen, dass sich die dunklen Wolken am Börsenhimmel so schnell nicht auflösen. Bei Ortsgesprächen und Auslandstelefonaten ist mit einem weiter steigenden Margendruck zu rechnen. Ob sich der hohe Kaufpreis von über 100 Milliarden Mark für VoiceStream, mit dem die Bonner in den US-Markt eingestiegen sind, jemals rechnen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein Milliardengrab droht auch die gerade anstehende Versteigerung der UMTS-Lizenzen zu werden.
Es würde mich nicht sehr wundern, wenn bei diesem Szenario der Kurs der Deutschen Telekom noch weiter absackt. Mein persönliches Kursziel liegt bei 38 Euro.
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