ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Hormonersatztherapie: Behörde reagiert

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Hormonersatztherapie: Behörde reagiert

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2196 / B-1872 / C-1672

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LNSLNS Bewertung der langfristigen Therapie unsicher
Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) zieht Konsequenzen aus einem Bericht zu erhöhten Krebsrisiken durch die Hormonersatztherapie. Prof. Eberhard Greiser hatte zusammen mit dem Wissenschaftlichen Institut der AOK umstrittene Kalkulationen vorgelegt, nach denen im Jahr 1998 rund 5 000 Mamma- und 3 000 Endometriumkarzinome auf die Hormonersatztherapie zurückzuführen sind; Frauenärzte gehen von wesentlich niedrigeren Zahlen aus (DÄ 33/2000).
Greisers Schätzung des Brustkrebsrisikos kann Ulrich Hagemann vom BfArM weder bestätigen noch widerlegen. Möglicherweise sei zur Klärung eine „Fall-Kontroll-Studie“ an mehreren Tausend Frauen sinnvoll. Solch eine Studie würde kaum vor 2004 abgeschlossen sein; bereits 2005 sollen Daten einer US-Studie vorliegen, die eine genauere Bilanz von Nutzen und Risiken der Hormonersatztherapie geben könnte. Bei der Behandlung klimakterischer Beschwerden bleibe das BfArM bei einer positiven Nutzen-Risiko-Abschätzung, so Hagemann. Die Bewertung der langfristigen Therapie sei jedoch unsicherer.
Eindeutiger ist die Haltung der Behörde zum Risiko des Endometriumkarzinoms. Nach Erhebungen von Greiser 1996 in Bremen nehmen viele Frauen mit Gebärmutter Östrogen-Monopräparate, obwohl seit Ende der 70er-Jahre klar ist, dass die Medikamente bei solchen Frauen das Endometriumkarzinom-Risiko stark erhöhen. „Das ist schlicht ein bestimmungswidriger Gebrauch“, sagt Hagemann, Frauen mit Gebärmutter sollten nur Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate nehmen. Die Behörde will jetzt die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft auf das Problem hinweisen. Ohnehin würden im Rahmen des laufenden Stufenplanverfahrens gegen die Hormonpräparate die Warnhinweise überarbeitet.
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