ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Phytoestrogene: Schlüssige Daten fehlen

AKTUELL: Akut

Phytoestrogene: Schlüssige Daten fehlen

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2197 / B-1900 / C-1773

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Ob Effekte auf Homöostase, Reproduktion, Entwicklung und Verhalten von Nachkommen oder auch Onkogenese – keine der Befürchtungen, die mit Phyto-, Pilz- und Xenoestrogenen verbunden werden, ist wissenschaftlich kausal schlüssig belegt.
Kritisch dürften sowohl die Dosis sowie der Zeitpunkt des Einwirkens sein, wie Prof. Günter Vollmer (Dresden) auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in München ausführte. Aufschlüsse über negative Folgen einer Exposition in einer der kritischsten Perioden – in utero – sind nach dem Unfall in Seveso aufgrund der schlechten Dokumentation nicht zu ziehen. Von Diethylstilbestron wiederum ist ein erhöhtes Auftreten von Vaginalkarzinomen bei den Töchtern dokumentiert. Bei Untersuchungen an Krebszell-Linien stelle sich die Frage der relevanten Dosis, bei Tierexperimenten die der Übertragbarkeit.

Bei Phytoestrogenen wiederum stehen in der breiten Öffentlichkeit – und in weiten Fachkreisen – die positiven Wirkungen im Vordergrund. Klar ist, dass Pflanzenestrogene hormonelle Rezeptoren induzieren und mit Enzymen des Steroidmetabolismus reagieren können. Immer wieder zitiert wird der aus epidemiologischen Studien stammende Zusammenhang, wonach eine an Phytoestrogenen reiche Ernährung protektiv gegen Mamma-, Kolon- und Prostatakarzinom sein soll. Zumindest für das Mammakarzinom scheint dies nicht haltbar, wie Prof. Günter Emons (Göttingen) anmerkte.

Der protektive Effekt ist wohl eher eine Folge der Mangelernährung und damit späten Menarche bei den Japanerinnen früherer Generationen gewesen. „Heute sind die Mädchen als Kinder gut ernährt, erreichen eine höhere Körpergröße und erleben früher die Menarche; das Brustkrebsrisiko unterscheidet sich inzwischen nicht mehr von dem der europäischen Frauen.“ Gegen einen protektiven Einfluss der Phytoestrogene spricht auch das Ergebnis einer Langzeitstudie, in der japanische Frauen eine hochsojareiche Nahrung zu sich nehmen mussten; im Vergleich zur Gruppe mit Normalkost ergab sich kein vermindertes Brustkrebsrisiko. Dr. Renate Leinmüller
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