ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Öko­nomi­sierung: Zusammenstehen!

BRIEFE

Öko­nomi­sierung: Zusammenstehen!

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2229 / B-1899 / C-1783

Proske, Harald

Zu dem Aufsatz „Gesundheitspolitik: Die Öko­nomi­sierung der Mitmenschlichkeit“ von Dr. med. Burkhard Gmelin in Heft 24/2000
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LNSLNS Dankbar muss man Herrn Gmelin für einen solchen Artikel sein, in dem endlich einmal mutig auf eine Entwicklung hingewiesen wird, die ebenso inhuman wie kalt berechnend und gefährlich ist. Uneingeschränkt unterstreiche ich jeden seiner Sätze!
Wie weit wollen wir uns noch zurückdrängen lassen, in einem Prozess, der alle ethischen und moralischen Kernpunkte aushöhlt und den humanistischen Gedanken gänzlich auflöst und damit unser Selbstverständnis als Ärzte aufs Schlimmste erschüttert? Warum lassen wir es zu, dass der Patient inzwischen nur als kalkulierbare Masse angesehen wird? Was glauben wir retten zu können, wenn wir immer wieder die Forderungen der anderen erfüllen? Kam nicht nach jeder Forderung eine weitere, nach jeder Regel eine neue, nach jedem verabschiedeten Gesetz ein weiterer Gesetzentwurf? Und bedeutete nicht jeder dieser Schritte, die wir hinnahmen und mitmachten, einen weiteren Verlust, kommt es nicht inzwischen einer Demütigung gleich?
Diese Entwicklung bedeutet für uns die sukzessive, aber sichere Demontage unseres Berufsstandes, für den Patienten bedeutet es allerdings die allmähliche Verdrängung an den Rand der Gesellschaft, weil er zum Objekt wird, welches Kosten verursacht. Wir geben all unsere ethischen Grundsätze auf. Demgegenüber muten die wirtschaftlichen Einbußen lächerlich gering bedeutend an.
Wir sollten uns endlich klar darüber werden, dass die Schmerzgrenze schon längst erreicht ist, ja überschritten ist. Beschreiten wir weiter diesen Weg, so werden wir zerdrückt werden zwischen legalisierter, existenzgefährdender Inkompetenz und eiskaltem, privatwirtschaftlichem Interesse. Zuletzt spielen wir nur noch Statistenrollen, beliebig austauschbar, und der Patient bleibt mit uns zusammen auf der Strecke.
Was folgt daraus? Zusammenstehen! Erkennen, dass wir alle betroffen sind, egal ob niedergelassen oder im Krankenhaus angestellt. Überbrücken wir endlich die Gräben unter uns, und begraben wir endlich den Zwist um die noch vorhandenen Fleischtöpfe. Es ist Zeit, klar-zumachen, dass wir diese Entwicklung nicht mehr mittragen können. Die deutsche Ärzteschaft muss gemeinschaftlich vermitteln, dass sie eine Zusammenarbeit unter diesen Bedingungen aufkündigen wird. Wir sind die Anwälte der Patienten, nicht Politiker, die kurzsichtige Entscheidungen fällen und schon gar nicht Krankenkassenvertreter, die ihren Eigennutz auf dem Rücken des Patienten ausleben.
Harald Proske, Leopoldstraße 7 B, 76133 Karlsruhe
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