ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Rationierung: Forderungen festsetzen

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Rationierung: Forderungen festsetzen

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2230 / B-1900 / C-1784

Burgdorf, Volker

Zu dem Beitrag „Bündnis Gesundheit 2000: Tacheles im Tränenpalast – Rationierung nimmt zu“ von Sabine Rieser in Heft 27/2000:
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LNSLNS Nichts Neues wurde vermeldet. Die Schwäche der Veranstaltungen dieser Art liegt darin, dass niemand glaubt, was da gesagt wird. Wenn wir für unsere Arbeit mehr Geld haben wollen – und das ist ja berechtigt –, sollen wir das sagen und nicht den Versicherten mit möglichen Versorgungslücken drohen. Wir müssen unsere Forderungen klar festsetzen und Minimalstandards definieren, zu denen wir gerade noch bereit sind zu arbeiten.
Unsere Funktionsträger täten besser daran, mit der Heuchelei Schluss zu machen und zu sagen, dass unsere Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zu anderen akademischen Freiberuflern eher kümmerlich sind . . .
Hinzu kommt, dass unser Gesundheitssystem von Grund auf renovierungsbedürftig ist. Die größte Crux ist, dass wir beim Bewerten unserer Leistungen allenfalls Zaungäste sind und allein die Nachfragerseite die Rahmenbedingungen schafft. Die gesamte kurative Medizin unterliegt einem Budget, das den Krankenkassen weitestgehend konstante Ausgaben sichert, ohne dass der durch „Ansprüche“ festgesetzte Leistungsumfang und die Vorhaltungen hierfür in irgendeiner Form mit berücksichtigt werden.
Wenn wir vielleicht etwas überspitzt formulieren, dass der Ausgabenanteil der Krankenkassen, gemessen am Bruttosozialprodukt, seit 1883 bis heute praktisch konstant geblieben ist, lässt sich unschwer schließen, dass der medizinische Fortschritt durch die „Leistungserbringer“ nicht nur erbracht, sondern auch finanziert wird. Eine solche Lastenverteilung ist nun in der Tat für uns nicht zumutbar.
Solche Dinge aber zu verändern, bedeutet einen kompletten Systemwandel, der Risiken hat und immense Vorarbeiten und Mut verlangt. Hierin sehe ich den wesentlichen Grund, dass man sich diesem Problem bisher nicht ernsthaft gewidmet hat. Zu diesem Zweck benötigt man sehr präzise und zeitnahe wirtschaftliche Analysen und Vorausschau, um die Reaktionen unserer Kontrahenten richtig einschätzen zu können . . .
Dr. med. Volker Burgdorf, Elberfelder Straße 20, 58095 Hagen
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