ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Politik: Unerträgliche Diskrepanz

SPEKTRUM: Leserbriefe

Politik: Unerträgliche Diskrepanz

Klinge, Marion

Zur Situation junger Ärztinnen und Ärzte
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LNSLNS Nach einem langjährigen Studium, einem unbezahlten Praktischen Jahr, 18 Monaten als AiP glaubt man die finanzielle Durststrecke überwunden zu haben. Bewirbt man sich jedoch um eine Weiterbildungsstelle für die zum Facharzt noch fehlende Allgemeinmedizin-Zeit, wird man rasch eines Besseren belehrt. Mit zwei Jahren Klinikerfahrung in der Inneren Medizin und einem Jahr Chirurgie erhält man von niedergelassenen "Kollegen" durchaus ernstgemeinte ungeheuerliche Angebote. Die Spanne reicht von unentgeltlicher Tätigkeit (man solle doch parallel Arbeitslosengeld beantragen), stundenweiser Bezahlung zu Hilfskraft-Konditionen bis zu so berauschenden Vergütungen wie 4 000 DM im Monat auf freiberuflicher Basis. Bei voller Arbeitszeit wohlgemerkt. Von der Güte dieser sogenannten "Weiterbildung" ganz zuschweigen, die oft vorwiegend aus der Durchführung der bei den niedergelassenen Kollegen unbeliebten, jedoch finanziell lukrativen Hausbesuche besteht. Wovon soll man eigentlich noch die neuerdings vorgeschriebenen allgemeinmedizinischen Kurse sowie andere Weiterbildungskurse, Arzthaftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Beiträge zu berufsständischen Vereinigungen etc. zahlen? Zwischen nominalem Berufsethos, Ansprüchen an die Qualität der Ausbildung, berufsständischen Regelungen und der schlichten Realität bei vielen jungen Kolleginnen und Kollegen besteht eine unerträgliche Diskrepanz. Das jedoch scheint die sogenannten "Standesvertreter" offensichtlich herzlich wenig zu kümmern. Die berufsständische Vertretung ist in meinen Augen in Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit als Vertreter der gesamten Ärzteschaft zu verlieren.
Dr. med. Marion Klinge, Reickeweg 14, 90409 Nürnberg
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