ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Kriminalprognosen: Spitze des Eisbergs

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Kriminalprognosen: Spitze des Eisbergs

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2231 / B-1901 / C-1785

Röser, Constantin

Zu dem Beitrag „Zuweilen mehr Mut zur Freiheit“ von Sabine Rieser in Heft 27/2000:
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LNSLNS Ich möchte als Gegenpol für das ganze Gutachterwesen fordern: „Etwas mehr Mut zur Verantwortung!“ Das heißt, der großzügig bezahlte Gutachter sollte in irgendeiner Weise die unter Umständen schädlichen Folgen seiner Fehler mittragen. Dann würde sicher auf diesem Gebiet mehr Vorsicht walten. Waren doch gerade die Wiederholungsmörder teilweise sogar frühzeitig entlassene Schwerverbrecher. Vor allem Psychotherapeuten überschätzen sich in ihrem Heilungseinfluss auf die Täter und bescheinigen eine zu gute Prognose.
Die Kriminalprognose ist aber nur die Spitze des Eisbergs! „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ gilt auch bei den Gutachten, und da habe ich schon genug zu lesen bekommen, ja, in einem Sorgerechtsfall selbst erfahren. Und was macht man dann, wenn man nicht Geld und Nerven hat, um weiterzuprozessieren? Die Faust in der Tasche ballen und den Gutachter zur Hölle wünschen. Der hat aber seinen Judaslohn und macht sich noch nicht mal Gedanken.
Wenn ich meine Patienten schlecht oder falsch behandle, braucht mich nicht einmal ein Haftpflichtanspruch zu treffen, die negativen Folgen in Form schlechten Rufes ruinieren schon die Praxis. Kein Problem für Gutachter: Die haben Zwangskunden.
Dr. med. Constantin Röser, Mittelstraße 88, 53474 Bad Neuenahr
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