BÜCHER

Die Ärzte der Nazis

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2232 / B-1902 / C-1786

Scharsach, Hans-Henning

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LNSLNS Geschichte
Kompakte Übersicht

Hans-Henning Scharsach: Die Ärzte der Nazis. Verlag Orac im Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 2000, 256 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 39,90 DM
Das Buch des Journalisten Hans-Henning Scharsach stellt eine eindrucksvolle, flüssig geschriebene Einführung in das dunkelste Kapitel der Geschichte der deutschen Ärzteschaft dar. Das penibel recherchierte, auf einem umfassenden Literaturstudium beruhende Übersichtswerk macht auf beklemmende Weise die erschreckende Vielfältigkeit der ärztlichen Verstrickungen nach 1933 deutlich. Wenn auch in den einzelnen Kapiteln kaum wirklich Neues zu finden ist, ist es hier doch das Gesamtbild, das beeindruckt.
Kapitel wie das über den (bezeichnenderweise erst jüngst einer breiten Öffentlichkeit bekannt gewordenen) österreichischen Euthanasie-Arzt Heinrich Gross zeigen, dass auch die aktuelle Diskussion nicht ausgeklammert wird. Natürlich könnte man über einzelne Akzente des Buches diskutieren. So scheint die „Aufwertung der Naturheilbewegung“ etwas zu kurz zu kommen (bekanntlich hat ja auch die „Alternativmedizin“ in der NS-Zeit ihre Unschuld verloren), ebenso – und dies ist bedauerlicher – die Zeit vor 1933, in der sich später von den Nazis verherrlichtes Gedankengut, etwa der Eugenik, in den Köpfen nicht nur deutscher Ärzte breit machte. Auch der Positivismus des 19. Jahrhunderts hätte mehr Beachtung verdient. Begrüßenswert ist die korrigierende Aufklärung über den „Lebensborn“, der primär aus rassenpolitischen Überlegungen ledigen Müttern die Möglichkeit gab, fern des Wohnorts heimlich zu entbinden (die organisierte Zuführung von Zeugungspartnern ist eher Legende!).
Wer sich über die Verquickung der deutschen Medizin im Dritten Reich umfassend informieren möchte, sollte sich dieses kompakte Übersichtswerk auf jeden Fall zulegen. Klaus Bergdolt
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