SPEKTRUM: Leserbriefe

Politik: Schlußwort

Bourmer, Horst

Zur Situation junger Ärztinnen und Ärzte
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LNSLNS Die Leserreaktionen haben mich zum Teil sehr verwundert. Denn der Kern des Kommentars zielte keineswegs auf die Probleme angestellter Ärzte und erst recht nicht auf die ernsthaften Sorgen junger Mediziner mit befristeten Arbeitsverträgen. Im Gegenteil: Deren Anliegen sind mir wichtig. Als kontraproduktiv sehe ich in diesem Zusammenhang jedoch eine Politik wie die der ÖTV. Denn zweifellos besteht im öffentlichen Dienst im allgemeinen eine erheblich höhere Arbeitsplatzsicherheit als in vielen anderen Branchen. Wenn in Anbetracht dieser Tatsache über einen angemessenen Beitrag der Staatsbediensteten zur Entlastung der Haushalte gesprochen wird, erscheint es infam, wenn die Gewerkschaft darauf mit rhetorisch "schwerstem Geschütz" antwortet. Allein bei den Gebietskörperschaften könnte ein Verzicht auf das 13. Monatsgehalt rund 27 Milliarden Mark einbringen – womit 1995 das Defizit von Bund, Ländern und Gemeinden um knapp ein Viertel niedriger gelegen hätte, als es tatsächlich ausfiel. Die Lasten der höheren Schulden tragen unsere Kinder und Enkel.
Eine solche Überlegung läßt sich natürlich auch auf die angestellten Ärzte in Krankenhäusern, Behörden und Körperschaften übertragen. Ein Verzicht auf das 13. Monatsgehalt hätte eine Einsparung von rund einer Milliarde Mark zur Folge. Davon ließen sich – grob geschätzt – 5 000 junge Ärzte zusätzlich einstellen und gleichzeitig 500 Millionen Mark zur Entlastung der angespannten Haushalte beisteuern. Wer diese Rechnung nicht nachvollziehen kann, handelt weder solidarisch noch kollegial. Es trägt in unverantwortlicher Weise zu einer Entsolidarisierung der Gesellschaft bei, wenn jede Interessengruppe ausschließlich ihre Partikularinteressen verteidigt, was nun auch bei Ärzten zu grassieren scheint. Im übrigen: Wen Nachtgedanken auch noch am Tage beschäftigen, hat eben offenbar nicht geschlafen.
Prof. Dr. med. Horst Bourmer, Köln
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