ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Interstitielle Strahlentherapie des Prostatakarzinoms mit permanenter 125I- oder 103Pd-Seed-Implantation – zurück in die Zukunft? Einseitige Betrachtungsweise

MEDIZIN: Diskussion

Interstitielle Strahlentherapie des Prostatakarzinoms mit permanenter 125I- oder 103Pd-Seed-Implantation – zurück in die Zukunft? Einseitige Betrachtungsweise

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2248 / B-1916 / C-1799

Pflumm, Thomas

zu dem BeitragInterstitielle Strahlentherapie des Prostatakarzinoms mit permanenter 125I- oder 103Pd-Seed-Implantation – zurück in die Zukunft?von Prof. Dr. med. Wolfgang HinkelbeinProf. Dr. med. Peter KneschaurekProf. Dr. med. Gyala KovacsProf. Dr. med. Kurt MillerProf. Dr. med. Michael MollsProf. Dr. med. Rolf-Peter MüllerProf. Dr. med. Michael WannenmacherProf. Dr. med. Lothar WeißbachDr. med. Thomas WiegelProf. Dr. med. Manfred Wirthin Heft 14/2000
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LNSLNS In dem Artikel scheint eine einseitige Betrachtungsweise zu Ungunsten der Seed-Therapie vorzuliegen. Im Einzelnen sehe ich folgende Kritikpunkte: Die hohe Rate an rektalen Blutungen nach Seed-Therapie, die von Hu et al. beschrieben wurde, ist in der Literatur nicht zu bestätigen. Im Klinikum Konstanz wurde 1998 die Seed-Implantation eingeführt und seither wurden 55 Patienten behandelt. Die Komplikationsrate war gering, rektale Blutungen wurden nicht beobachtet. Die Tabelle 1 zeigt für die Seed-Therapie schlechtere Ergebnisse als für die radikale Prostatektomie oder die perkutane Strahlentherapie. Die Ursache hierfür könnte jedoch auch an der Literaturauswahl und nicht an der Methode liegen. So waren in einer Studie von Prestide et al. (4) bei 201 Patienten nach einer J/Pd-Brachytherapie 80 Prozent bioptisch tumorfrei. Beyer et al. (1) erzielten bei 489 Patienten mit einer J-Brachytherapie in 83 Prozent nach fünf Jahren klinische Tumorfreiheit und Ragde et al. (5) erreichten nach J-Brachytherapie bei 126 Patienten nach sieben Jahren einen PSA-Spiegel von < 1 ng/ml. Ein vergleichbares Ergebnis erreichten Blasko und Mitarbeiter (2). Bei 203 Patienten wiesen nach neun Jahren 83,5 Prozent einen PSA von < 0,5 ng/ml auf.
Sowohl die dreidimensional geplante, perkutane Strahlentherapie als auch die sonographisch gesteuerte, perineale Seed-Implantation sind Verfahren, die seit gut zehn Jahren existieren. Für beide Verfahren liegen noch keine ausreichenden Langzeiterfahrungen vor. Dennoch wird die dreidimensional geplante perkutane Strahlentherapie im Gegensatz zur Seed-Therapie als Standardmethode neben der radikalen Prostatektomie aufgeführt. Dies halte ich anhand der zurzeit vorliegenden Daten für eine einseitige Betrachtungsweise.
Meines Erachtens ist die Seed-Implantation, wenn sie nach den Indikationen und Durchführungsvorgaben der American Brachytherapy Society (3) erfolgt, eine einfach durchzuführende, komplikationsarme und zukunftsträchtige Methode.

Literatur
1. Beyer DC, Priestley JB: Biochemical disease-free survival following 125 J prostate implantation. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1997; 37: 559–563.
2. Blasko JC, Grimm PD, Sylvester JE, Badiozamani KR, Hoak D, Cavanagh W: Palladium-103 brachytherapy for prostate carcinoma. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2000; 46: 839–850.
3. Nag S, Beyer D, Friedland J, Grimm P, Ravinder N: American Brachytherapy Society (ABS) recommendations for transperineal permanent brachytherapy of prostate cancer. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1999; 44: 789–799.
4. Prestidge BR, Hoak DC, Grimm PD, Ragde H, Cavanagh W, Blasko JC: Posttreatment biopsy results following interstitial brachytherapy in early-stage prostate cancer. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1997; 37: 31–39.

In dem Artikel scheint eine einseitige Betrachtungsweise zu Ungunsten der Seed-Therapie vorzuliegen. Im Einzelnen sehe ich folgende Kritikpunkte: Die hohe Rate an rektalen Blutungen nach Seed-Therapie, die von Hu et al. beschrieben wurde, ist in der Literatur nicht zu bestätigen. Im Klinikum Konstanz wurde 1998 die Seed-Implantation eingeführt und seither wurden 55 Patienten behandelt. Die Komplikationsrate war gering, rektale Blutungen wurden nicht beobachtet. Die Tabelle 1 zeigt für die Seed-Therapie schlechtere Ergebnisse als für die radikale Prostatektomie oder die perkutane Strahlentherapie. Die Ursache hierfür könnte jedoch auch an der Literaturauswahl und nicht an der Methode liegen. So waren in einer Studie von Prestide et al. (4) bei 201 Patienten nach einer J/Pd-Brachytherapie 80 Prozent bioptisch tumorfrei. Beyer et al. (1) erzielten bei 489 Patienten mit einer J-Brachytherapie in 83 Prozent nach fünf Jahren klinische Tumorfreiheit und Ragde et al. (5) erreichten nach J-Brachytherapie bei 126 Patienten nach sieben Jahren einen PSA-Spiegel von < 1 ng/ml. Ein vergleichbares Ergebnis erreichten Blasko und Mitarbeiter (2). Bei 203 Patienten wiesen nach neun Jahren 83,5 Prozent einen PSA von < 0,5 ng/ml auf.
Sowohl die dreidimensional geplante, perkutane Strahlentherapie als auch die sonographisch gesteuerte, perineale Seed-Implantation sind Verfahren, die seit gut zehn Jahren existieren. Für beide Verfahren liegen noch keine ausreichenden Langzeiterfahrungen vor. Dennoch wird die dreidimensional geplante perkutane Strahlentherapie im Gegensatz zur Seed-Therapie als Standardmethode neben der radikalen Prostatektomie aufgeführt. Dies halte ich anhand der zurzeit vorliegenden Daten für eine einseitige Betrachtungsweise.
Meines Erachtens ist die Seed-Implantation, wenn sie nach den Indikationen und Durchführungsvorgaben der American Brachytherapy Society (3) erfolgt, eine einfach durchzuführende, komplikationsarme und zukunftsträchtige Methode.

Literatur
1. Beyer DC, Priestley JB: Biochemical disease-free survival following 125 J prostate implantation. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1997; 37: 559–563.
2. Blasko JC, Grimm PD, Sylvester JE, Badiozamani KR, Hoak D, Cavanagh W: Palladium-103 brachytherapy for prostate carcinoma. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2000; 46: 839–850.
3. Nag S, Beyer D, Friedland J, Grimm P, Ravinder N: American Brachytherapy Society (ABS) recommendations for transperineal permanent brachytherapy of prostate cancer. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1999; 44: 789–799.
4. Prestidge BR, Hoak DC, Grimm PD, Ragde H, Cavanagh W, Blasko JC: Posttreatment biopsy results following interstitial brachytherapy in early-stage prostate cancer. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1997; 37: 31–39.
biopsy results following interstitial brachytherapy in early-stage prostate cancer. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1997; 37: 31–39.
5. Ragde H, Blasko JC, Grimm PD, Kenney GM, Sylvester JE, Hoak DC, Landin K, Cavanagh W: Interstitial Iodine-125 radiation without adjuvant therapy in the treatment of clinically localized prostate carcinoma. Cancer 1997; 80: 442–453.

Thomas Pflumm
Urologische Klinik im Klinikum Konstanz
Luisenstraße 7, 78464 Konstanz

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