ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Stuhlinkontinenz: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Stuhlinkontinenz: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2250 / B-1918 / C-1801

Schepp, Wolfgang; Pehl, Christian

zu dem Beitrag Stuhlinkontinenz von Dr. med. Christian Pehl Dr. med. Berndt Birkner Dr. med. Wolfgang Bittmann Brigitte Cluss Dr. med. Hans Emmert Dr. med. Martin Fuchs Dr. med. Jutta Passern Dr. med. Barbara Wendl Prof. Dr. med. Wolfgang Schepp Prof. Dr. med. Wolf Heitland in Heft 19/2000
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LNSLNS Wir danken für den Hinweis, dass eine noch umfassendere Darstellung der Basistherapiemaßnahmen wünschenswert gewesen wäre. Leider ist jedoch auch die Länge eines Übersichtsartikels begrenzt und wir müssen den Leser für weitere Details auf das umfangreiche Literaturverzeichnis verweisen. Intention unseres Übersichtsartikels war der breiten ärztlichen Leserschaft zu vermitteln, dass es nach Ausschöpfen der vom praktisch tätigen Arzt verordneten Basismaßnahmen und Hilfsmittel weitere Therapieoptionen gibt, um „fitten“ und durchaus auch nicht mehr (so) „fitten“ Patienten effektiv helfen zu können.
Keineswegs steht das von uns dargestellte diagnostische und therapeutische Stufenkonzept der Stuhlinkontinenz nur den gesünderen und/oder jungen Patienten zur Verfügung. Auch ältere Patienten, die eine Prävalenz der Stuhlinkontinenz von vier bis elf Prozent aufweisen (4), können effektiv behandelt werden. Prinzipiell kommen auch in dieser Patientengruppe alle konservativen und operativen Verfahren infrage. So ist der Erfolg einer Defektnaht unabhängig vom Alter der Patienten, von der Dauer der Stuhlinkontinenz und von der Zeitdauer zwischen Erwerb des Sphinkterdefektes und der operativen Versorgung (5, 6). Einschränkungen in der Differenzialindikation zu den einzelnen Therapieverfahren können bei den übenden Verfahren (Beckenbodengymnastik, Biofeedback-Behandlung und dynamische Gracilisplastik) durch Defizite der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit gegeben sein. Ansonsten ist zum Beispiel die Biofeedback-Therapie bis ins hohe Alter (bis 97 Jahre [2]) möglich.
Diese übenden Verfahren können natürlich nicht mehr bei Patienten in Pflegeheimen anwendet werden, die aufgrund ihrer Prävalenz der Stuhlinkontinenz von 30 bis 60 Prozent wahrlich ein Problem darstellen (1, 3). Den Stellenwert der Basistherapiemaßnahmen auch bei diesen Patienten zeigt eine Studie in zwölf Alten- und Pflegeheimen mit 2 602 Patienten (1), die bei 44 Prozent mit neu aufgetretener Inkontinenz als auslösenden Faktor eine Diarrhöe und bei 19 Prozent ein Fäkulom mit „Überlaufinkontinenz“ fanden. Neben den in unserem Übersichtsartikel durchaus erwähnten Basismaßnahmen (Behandlung zugrunde liegender Faktoren, Hygienemaßnahmen wie Versorgung mit saugfähigen Vorlagen, Externa zur Behandlung perianaler Reizerscheinungen, diätetische und medikamentöse Maßnahmen) kommen hier Elektrostimulation und, in Zukunft möglicherweise häufiger, ein künstlicher Sphinkter in Betracht. Allerdings liegen für diese spezielle Patientengruppe keine Daten der Evidenced Based Medicine über Erfolg und Nichterfolg verschiedener Therapiemaßnahmen vor. Auch bei den heutigen fortgeschrittenen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten darf nicht vergessen werden, dass zur Vermeidung von Sekundärkomplikationen einer Stuhlinkontinenz Grad III (Hautmazeration, rezidivierende Harnwegsinfekte) und aus pflegerischer Sicht die Anlage eines Anus praeter im Einzelfall erforderlich sein kann.
Dank der heute vorhandenen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten können etwa 80 Prozent der betroffenen Patienten erfolgreich behandelt werden.

Literatur
1. Chassagne P, Landrin I, Neveu C, Czernichow P, Bouaniche M, Doucet J, Denis P, Bercoff E: Fecal incontinence in the institutionalized elderly: Incidence, risk factors, and prognosis. Am J Med 1999; 106: 185–190.
2. Enck P: Biofeedback training in disordered defecation. A critical review. Dig Dis Sci 1993; 38: 1953–1960.
3. Jorge J, Wexner S: Etiology and management of fecal incontinence. Dis Colon Rectum 1993; 36; 77–97.
4. Kraemer M, Sailer M, Fuchs KH, Thiede A: Ätiologie und Epidemiologie der analen Inkontinenz. Zentralbl Chir 1996; 121: 624–631.
5. Simmang C, Birnbaum EH, Kodner IJ, Fry RD, Fleshman JW: Anal sphincter reconstruction in the elderly; does advancing age affect outcome? Dis Colon Rectum 1994; 37: 1065–1069.
6. Young CJ, Mathur MN, Eyers AA, Solomon MJ: Successful overlapping anal sphincter repair. Relationship to patient age, neuropathy, and colostomy formation. Dis Colon Rectum 1998; 41: 344–349.

Dr. med. Christian Pehl
Prof. Dr. med. Wolfgang Schepp
Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie
und Gastroenterologische Onkologie

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