ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Ovarialkarzinom: Neue Option für die Second-line-Therapie

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Ovarialkarzinom: Neue Option für die Second-line-Therapie

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2254 / B-1831 / C-1679

Leinmüller, Renate

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Rund drei Viertel der Ovarialkarzinome befinden sich zum Diagnosezeitpunkt bereits im Stadium III oder IV. Trotz radikaler Operation und nachfolgender Chemotherapie sterben daran circa 6 000 Frauen jährlich in Deutschland.
Mit der Übernahme der Taxane zu Platin in die First-line-Therapie entstand ein „weißer Fleck“ in der Second-line-Medikation – sie ist nicht definiert. Während Patientinnen mit Spätrezidiven eine erneute Operation angeboten werden kann und – im Fall einer Platin-Sensitivität
– eine erneute Chemotherapie mit Platin und Taxol sinnvoll ist, ist das therapeutische Arsenal für Frauen mit Frührezidiv selbst bei kleinerer Tumorausdehnung relativ erschöpft.
Eine Operation bringt ebenso wenig Vorteile wie eine erneute Platintherapie. Anthrazykline scheinen mit einer Effizenz von 20 Prozent Remissionen noch am besten abzuschneiden, sagte Dr. Andreas du Bois (Wiesbaden) bei einer Veranstaltung der Essex Pharma während des Gynäkologenkongresses.
Problematisch bei dieser Substanzgruppe ist jedoch die Kardiotoxizität bei steigenden kumulativen Dosen. Diesem ist man nun mit einem galenischen Trick begegnet: Das Zytostatikum Doxorubicin wurde in Liposomen verpackt, um eine andere Organverteilung zu erreichen; zusätzlich erfolgte eine Pegylierung, bei der – bildlich gesprochen – die Liposomen auf der Oberfläche mit „Schwänzchen“ versehen werden, damit sie länger im vaskulären System verweilen und der Abbau in der Leber verzögert erfolgt. Mit Caelyx® werde so eine höhere Konzentration im Blut und eine verlängerte Halbwertszeit bei reduzierter Immunogenität erreicht, erklärte Dr. Hans-Peter Lipp (Tübingen).
Um die Wirksamkeit zu beurteilen, wurde das pegylierte, liposomale Doxorubicin in einer randomisierten Phase-III-Studie bei knapp 500 Patientinnen mit Rezidiv überprüft im Vergleich mit Topotecan. Beide Substanzen erwiesen sich als gleichwertig hinsichtlich Ansprechen, progressionsfreiem Intervall und Gesamtüberlebenszeit (53,4 versus 51,1 Wochen). Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen unterschieden sich: Unter Caelyx ist eine Palmar-Plantar-Erythrodysästhesie am häufigsten, unter Topotecan traten häufiger höhergradige Nebenwirkungen (Myelosuppression) auf.
Aufgrund dieser Daten stufte du Bois die neu „verpackte“ Substanz als eine interessante Option in der Therapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms ein (die europäische Zulassung liegt bereits vor); bei platin-sensitiven Formen biete sich die Kombination mit Carboplatin geradezu an.
Obwohl die ideale Therapie für Frauen mit Rezidiven derzeit noch fehlt – die aktivsten Chemotherapeutika sind definiert: Taxane, Topoisomerase-Hemmer, Anthrazykline, Gemcitabin und Vinorelbin. Kombinationen können beim platin-sensiblen Tumor die Effektivität wahrscheinlich steigern, beim insensitiven eher nicht. Dr. Renate Leinmüller
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema