ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „Aus der UAW-Datenbank“

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „Aus der UAW-Datenbank“

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): A-2260 / B-1950 / C-1816

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LNSLNS Mirtazapin: Störungen des weißen Blutbildes

Zu den Aufgaben der AkdÄ gehören die Erfassung, Dokumentation und Bewertung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Die AkdÄ möchte Sie regelmäßig über aktuelle Themen aus der Arbeit des UAW-Ausschusses informieren und hofft, Ihnen damit wertvolle Hinweise für den Praxisalltag geben zu können.
Bei Mirtazapin (Remergil®), das im April 1996 neu in den deutschen Markt eingeführt wurde, handelt es sich um ein tetrazyklisches Antidepressivum (zentralwirksamer, präsynaptisch angreifender a2-Antagonist). Es dient der Behandlung von depressiven Erkrankungen und ist in oraler und parenteraler Darreichungsform verfügbar.
Im deutschen Spontanerfassungssystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: 27. 7. 2000) sind seit 1996 insgesamt 140 Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen zu mirtazapinhaltigen Arzneimitteln verzeichnet. Die Auswertung zeigt einen Anteil von 15 Fällen zu Veränderungen des weißen Blutbildes wie Leukopenie, Granulozytopenie oder Agranulozytose, die im Zusammenhang mit der Anwendung von Mirtazapin gemeldet wurden. Zum Teil wurden weitere Medikationen verabreicht, die ebenfalls mit den aufgetretenen Blutbildveränderungen in Zusammenhang gebracht werden können (zum Beispiel Diclofenac, Flupentixol, Indometacin, Levomepromazin, Maprotilen, Olanzapin, Sulfasalazin oder Thiamazol). In zwei der ausführlicher dokumentierten Fälle muss jedoch ein Kausalzusammenhang zwischen dem Auftreten der Leukopenien und der Einnahme von Mirtazapin angenommen werden. In Studien vor der Zulassung wurde für Agranulozytosen und Neutropenien eine Inzidenz von etwa 1,1 : 1 000 festgestellt (1); dieser Wert korreliert mit einer in der Literatur angegebenen Inzidenz von etwa 1 : 1 000, bezogen auf Agranulozytosen (2). Eine Schädigung des weißen Blutbildes erscheint auch wegen der chemisch-strukturellen Ähnlichkeit mit Mianserin (zum Beispiel Tolvin®), bei dem ebenfalls Blutbildstörungen bekannt sind, erklärbar. Vorbeugend sollten deshalb in den ersten Monaten der Behandlung mit Mirtazapin wöchentlich Blutbildkontrollen durchgeführt werden (3). Der behandelnde Arzt sollte auf Symptome wie Fieber, Halsentzündung, Stomatitis oder andere Anzeichen einer Infektion achten und den Patienten darauf hinweisen. Bei Auftreten dieser Symptome ist die Behandlung sofort abzubrechen und ein Differenzialblutbild anzufertigen (siehe Fachinformationen zu Remergil®).
Bitte teilen Sie uns alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internetpräsenz http://www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Hutchison TA, Shahan DR & Anderson ML (Eds): DRUGDEX® System. MICROMEDEX, Inc., Englewood, Colorado (Ausgabe 104 endet 6/2000).
2. Hartmann PM: Mirtazapine: A Newer Antidepressant. Am Fam Physician 1999; 59: 159–161.
3. Müller-Oerlinghausen B, Schmidt LG: Psychopharmaka. In: Müller-Oerlinghausen B, Lasek R, Düppenbecker H, Munter KH: Handbuch der unerwünschten Arzneimittelwirkungen. München, Jena: Urban und Fischer 1999; 437.
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233–237, 50931 Köln, Telefon: 02 21/40 04-5 18, Fax: -5 39, E-Mail: akdae@t-online.de
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