ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (Gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung)

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung - Bundesärztekammer

Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (Gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung)

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LNSLNS Das Leitlinien-Clearingverfahren „Hypertonie“ – Zusammenfassung der Ergebnisse und Gremienbeschlüsse

Hintergrund: Zur Qualitätsförderung der Gesundheitsversorgung von Menschen mit hohem Blutdruck oder Hypertonie-Risiko verabredeten Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenversicherung 1999 die Durchführung eines Leitlinien-Clearingverfahrens zu nationalen, deutsch- und englischsprachigen Hypertonie-Leitlinien.
Zielsetzung: Recherche, formale und inhaltliche Bewertung deutsch- und englischsprachiger Hypertonie-Leitlinien nach den Methoden der evidenzbasierten Medizin. Qualitätsdarlegung für Leitlinien, die den internationalen Qualitätsstandards entsprechen. Formulierung von Empfehlungen für eine nationale evidenzbasierte Hypertonie-Leitlinie.
Methode
Leitlinien-Recherche, formale Bewertung: Datenbank-Recherche in Medline, Healthstar, Embase, Leitlinien-In-Fo für den Zeitraum 1/1990 bis 9/1999. Sichten des Ergebnisses (548 Zitate) bzw. der den Einschlusskriterien entsprechenden Abstracts (n = 132). Formale Bewertung von 34 Leitlinien mit der Leitlinien-Checkliste des Clearingverfahrens.
Inhaltliche Bewertung: Inhaltliche Bewertung von 11 Leitlinien mit folgenden Einschluss-Kriterien: Hypertonie – allgemein, deutsch und englische Leitlinie von überregionaler Bedeutung, aktuellste verwendete Originalliteratur nach 1994. Beurteilung der inhaltlichen Angemessenheit durch Focusgruppe von ärztlichen Leitlinien-Anwendern aus ambulanter und stationärer Versorgung sowie Methodikern („Expertenkreis Hypertonie“).
Ergebnisse
Formale Bewertung: 11 von 132 bewerteten Leitlinien entsprachen den formalen Bewertungsstandards der Checkliste des Leitlinien-Clearingverfahrens. Deutliche Qualitätsschwankungen fanden sich bezüglich der Faktoren: „Transparenz des Entwicklungsprozesses“, „Unabhängigkeit der Entwicklung“, „Verknüpfung von Empfehlung und Evidenz“, „Praktikabilität“, „Empfehlungen zur Implementierung“.
Künftigen deutschen Hypertonie-Leitlinienprogrammen wird die Berücksichtigung folgender Kriterien empfohlen: (1) Formulierung der Empfehlungen mittels standardisierter, transparenter Konsensusprozesse auf der Grundlage systematischer, recherchierter und bewerteter Evidenz, (2) Verknüpfung von Evidenz und Empfehlungen, (3) Erarbeitung unterschiedlicher anwender- und verbraucherorientierter Versionen, (4) Erarbeitung leitliniengestützer Trainingsmaterialien für Anwender, (5) kurzfristige Aktualisierung.
Inhaltliche Bewertung: Keine der bewerteten Leitlinien entspricht vollständig folgenden inhaltlichen Eckpunkten, die die Experten für eine überregionale deutsche Hypertonie-Leitlinie empfehlen: (1) Definition – Epidemiologie – Versorgungsprobleme – Ziele – Adressaten, (2) Blutdruckmessung, (3) Anamnese/körperliche Untersuchung, (4) Case-finding/Screening, (5) Schnittstellen in der Patientenversorgung, (6) Risiko-Einschätzung, (7) Weiterführende Diagnostik, (8) Therapieindikationen und Therapieziele, (9) Nichtmedikamentöse Therapie, (10) Pharmakotherapie, (11) Follow-up/Schulung/
Motivation/Compliance, (12) Besonderheiten: Komorbidität, geriatrische Patienten, Kinder und Schwangerschaft, (13) Prävention, (14) Qualitätssicherung/-management, (15) Disseminierung/Implementierung, (16) Forschungsauftrag für die Zukunft/offene Fragen.
Empfehlungen für künftige nationale Hypertonieleitlinien
- Orientierung am aus mehreren Risikofaktoren bestimmten individuellen Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (= Hypertoniefolgeerkrankungen), nicht nur an der Blutdruckhöhe
- Explizite Benennung der Grundlage jeder Empfehlung (wissenschaftliche Evidenz, Konsens, Erfahrung)
- Explizite Berücksichtigung ökonomischer Implikationen als Kriterium bei alternativen Handlungsoptionen
- Berücksichtung des Handlungskontextes der angesprochenen Nutzer (z. B. ambulant tätige Ärzte)
- Angestrebt wird die kurzfristige Erarbeitung einer interdisziplinären nationalen Hypertonie-Leitlinie im Konsens zwischen AWMF und ihren Mitgliedern (unter wesentlicher Beteiligung/Federführung der Deutschen Gesellschaft für Hypertonie) und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Der Expertenkreis Hypertonie wird in einem Jahr einen Bericht über die Entwicklung und Implementierung von Hypertonie-Leitlinien in Deutschland vorlegen.

Die ausführliche Fassung des Leitlinien-Clearingberichtes Hypertonie ist zugänglich über die Internet-Adresse der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung: http://www.leitlinien.de

Korrespondenzadresse: Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung Aachener Straße 233–237, 50931 Köln. E-Mail: azq@dgn.de
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