ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000Immobilienfonds: Kapitalflucht

VARIA: Schlusspunkt

Immobilienfonds: Kapitalflucht

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Verrückte Situation bei offenen Immobilienfonds: Obwohl Preise und Mieten wieder steigen, fliehen viele Anleger aus dieser Anlageform und ziehen massiv Kapital ab.
Da helfen auch Werbebotschaften nicht weiter, mit denen die Investoren gelockt werden sollen. In der ersten Jahreshälfte gaben die Anleger Fondsanteile im Wert von 3,5 Milliarden Mark zurück, so viel wie niemals zuvor.
Hinter diesem an Kapitalflucht grenzenden Phänomen steckt freilich ein ganz profaner Umstand, die Gier nach schnellen Börsengewinnen nämlich. Angelockt von den immensen Kursexplosionen am Neuen Markt, suchten immer mehr Leute nach anderen Finanzquellen, um möglichst profitabel beim Börsenroulette dabei zu sein. Raus aus Immobilienfonds, rein in den Reichtum, hieß die Devise. Vielen Banken war dieser Run in Aktien sogar sehr recht, profitierten die Institute durch üppige Wertpapierspesen bei Aktiendeals gleich mehrfach.
Wahr ist gleichwohl, dass viele Anleger mit Zitronen gehandelt haben und jammern, sie hätten doch den Wechsel der Anlageform nicht vollziehen sollen. Bekanntlich lehrte die Entwicklung am Neuen Markt, dass hohen Gewinnen irgendwann auch enorme Verluste gegenüberstehen. Wer dann zu spät kommt, wird halt eben abgestraft. Es ist schon so, dass offene Immobilienfonds nie mit großen Gewinnen glänzen konnten. Zwar waren in früheren Jahren auch mal sechs Prozent per annum möglich, aber das ist vorbei. In den vergangenen zwölf Monaten lag der Wertzuwachs im Schnitt noch nicht einmal bei vier Prozent.
An der Magerrendite offener Immobilienfonds wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Dahinter stecken wiederum zwei ganz schlichte Ursachen. Zum einen sind viele Immobilienfonds gezwungen, große Teile ihres Kapitals am Geldmarkt anzulegen. Andererseits sind die erzielbaren Mieten und Wertsteigerungserlöse bei eigenen Objek-
ten längst nicht mehr so üppig wie in den Vorjahren,
was wiederum die Gewinne drückt. So bleibt die Erkenntnis, dass der „Sachwert Immobilie“ zwar eine ganz sichere Geldanlage ist, aber eben wenig abwirft.
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