ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2000„Er stand sowieso auf Verlust!“ Dr. med. Helmut Pfleger

VARIA: Schlusspunkt

„Er stand sowieso auf Verlust!“ Dr. med. Helmut Pfleger

Dtsch Arztebl 2000; 97(34-35): [64]

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Bei Eugen Roth heißt es: „Was bringt den Doktor um sein Brot? a) die Gesundheit und b) der Tod. Drum hält der Arzt, auf dass er lebe, uns zwischen beiden in der Schwebe.“
Nun mag durchaus zutreffen, dass der Schwebezustand „Krankheit“ ärztlicherseits im Allgemeinen der erwünschte ist. Doch ganz anders ist es zuweilen, wenn der Arzt dieser Krankheit beim Schachspiel begegnet.
Es heißt, in England sei ein Schachspieler am Brett in sich zusammengesunken. Vom Nebenbrett trat ein Arzt hinzu, stellte nach einem kurzen Blick auf ihn sein Ableben fest, um sich dann dessen Partie zuzuwenden mit dem beschwichtigenden Kommentar: „Er stand sowieso auf Verlust!“ So etwas beruhigt natürlich die Umstehenden, und immerhin hat er niemandem mehr geschadet.
Anders mag der Fall liegen bei einer Begebenheit, die mir George Tabori, der große Theaterdramatiker und -regisseur, aus seiner New Yorker Zeit mitteilte (Sie sehen, ich vermeide bei diesem heiklen Thema deutsche Kasuistiken).
Er und einige andere spielten Schach bei einem befreundeten Arzt, als dieser ins Nachbarhaus gerufen wurde – jemand hätte starke Atemnot. Dies mochte für den Betreffenden betrüblich sein, doch die Partie war hochinteressant, die Störung höchst unwillkommen. Nach kurzer Zeit wurde der Hilferuf wiederholt, die Atemnot werde immer stärker – nur hatte auch die Stellung nichts von ihrere Faszination eingebüßt. Beim dritten Appell begab er sich schließlich unwirsch zu dem inzwischen wohl zyanotischen Patienten und versorgte diesen – um dann schnellstmöglich wieder zu seiner Partie zurückzukehren.
Und die Moral von der Geschicht’? Keine.
Und die Moral von der Diagrammstellung?
Da kann ich mich nur wiederholen (siehe DÄ vom 15. Mai 1998) – reizen Sie Dr. Jolowicz nicht! Ein Gemütsmensch und vorzüglicher Arzt – doch wehe, er spielt Schach! Hier hatte ihm Dr. Nabbe bereits eine (geopferte) Figur entwendet; sehen Sie, mit welch feinem Zug Dr. Jolowicz nun König oder Dame von Schwarz eroberte?

Lösung:

Nach dem Pferdseitsprung 1. Se5-g4! drohte einzügig Matt durch 2. Sh6. Fatalerweise wird 1. . . . Lxf6 mit der Springergabel 2. Sxf6+ mit Damengewinn bestraft. Schwarz versuchte noch 1. . . . h5 (um neben dem Angriff auf den Springer seinem König ein Luftloch auf h7 zu schaffen), musste aber nach 2. Lxd4 mit der erneuten Drohung 3. Sf6+ aufgeben, denn 2. . . . hxg4 führt nach 3. Dxg4+ Sg6 zum Matt durch 4. Dxg6 (der Bauer f7 ist gefesselt!).
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema