ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Asthmakranke Kinder: Schlecht beraten

AKTUELL: Akut

Asthmakranke Kinder: Schlecht beraten

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2269 / B-1937 / C-1821

Bühring, Petra

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LNSLNS Deutliche Mängel in der Versorgung asthmakranker Kinder zeigte eine Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse in Zusammenarbeit mit der Deutschen Atemwegsliga auf. Das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung wertete 1 071 Fragebögen aus, die Eltern zur Therapie ihrer Kinder beantwortet hatten. Die Umfrage ergab viele Defizite: Asthma wird bei Kindern häufig erst spät diagnostiziert. Dann aber zögern viele Ärzte, eine asthmaspezifische Therapie einzuleiten. Rund zwei Drittel der Eltern suchen mehrere Ärzte auf, bis ihr Kind wirksam behandelt wird. Auch nach Beginn der Therapie fanden häufige Arztwechsel statt.

Nach den Ergebnissen der Umfrage fühlten sich die Eltern am besten durch die Pneumologen über die Erkrankung ihres Kindes aufgeklärt. Demgegenüber hielten die Kinderärzte die Spitzenposition, wenn es darum ging, wie das Kind die Erkrankung am besten seelisch verarbeitet. Beide Fachgruppen erklärten den Umgang mit Medikamenten besser als die Allgemeinärzte – sie schnitten in allen Punkten am schlechtesten ab. Viele Eltern sind unzureichend über die Auslöser von Asthma informiert. Trotz erfolgter Allergiediagnostik konnten 20 Prozent nicht sagen, welche Allergene bei ihrem Kind Asthma auslösen. Unbefriedigend war nach den Ergebnissen der Studie auch die Aufklärung über den Umgang mit Medikamenten. 14 Prozent, die ein zu inhalierendes Medikament angegeben hatten, war die Inhalationstechnik noch nie gezeigt worden. 71 Prozent gaben an, dass ihr Arzt noch nie überprüft hatte, ob das Kind richtig inhaliert. Je besser die Aufklärung durch den Arzt, desto höher die Compliance. Eltern, die die Beratung als mangelhaft bewerteten, gaben zu einem hohen Anteil an, Ängste wegen der Medikamente zu haben.

Die schlecht Beratenen neigen zu schlechter Compliance: 14 Prozent erklärten, sie ließen die Medikamente einfach weg, wenn ihr Kind sich gut fühlt. Nach der Studie sind die Betroffenen auch auf Notfälle nur unzureichend vorbereitet. Nur ein Fünftel der Befragten besaß einen Notfallplan. 29 Prozent der Eltern, deren Kind wegen eines akuten Asthmaanfalls Notfallhilfe in Anspruch nahm, gaben an, keine Erklärungen über das richtige Verhalten erhalten zu haben. Knapp die Hälfte der Befragten wusste nicht, dass spezielle Asthma-Schulungen angeboten werden. Nur 43 Prozent derjenigen, die von Asthma-Schulungen gehört hatten, gaben den Arzt als Informationsquelle an. Petra Bühring
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