ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 4/2000MedicWAP: Information at your handy’s clicks

Supplement: Praxis Computer

MedicWAP: Information at your handy’s clicks

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): [22]

Reng, Carl-Michael; Fuchs, Hildegard

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LNSLNS Das Forschungsprojekt MedicDAT soll die praxisgerechte Nutzung elektronisch verfügbarer
medizinischer Fachinformationen ermöglichen. Schwerpunkte der Entwicklung sind dabei die
Optimierung der Suchfunktion, die medienunabhängige inhaltliche
Verknüpfung dieser Informationen und deren Darstellung unter einer einheitlichen Oberfläche. Im
Teilprojekt MedicWAP werden
Erfahrungen beim Einsatz der
handybasierten Kommunikations- und Informationstechniken
gesammelt.
Um die Attraktivität der elektronischen Informationsmedien für den praktischen Einsatz in der Medizin zu erhöhen, hat sich das MedicDAT-Projekt über den ursprünglichen Projektauftrag hinaus auch die Aufgabe gestellt, das Fachwissen nicht nur unabhängig von technischen Plattformen, sondern auch von räumlichen Beschränkungen anzubieten. Ärztliches Handeln kann an beliebigen Orten stattfinden, Hausbesuche und notdienstliche Versorgung sind dafür Beispiele: Gerade hier wird der behandelnde Arzt mit oftmals kaum vorherzusehenden Situationen konfrontiert. Benötigt er in solchen unvorbereiteten Situationen fachliche Hilfe, bietet sich die Nutzung von Informationstechnologien an, die weitgehend
räumlich unbeschränkt einsetzbar sind.
WAP, WML
Bereits seit Anfang 2000 ist die WAP-Technologie (Wireless Application Protocol) flächendeckend in Deutschland verfügbar. Es handelt sich um eine Technik, mit der besonders aufbereitete Internet-Inhalte vom Display geeigneter Handys aus abgerufen werden können. Hierzu wählt sich das Handy vom GSM-Netz aus an einem RAS-Server (Re-
mote Access Server) über eine vorgegebene Telefonnummer ein. Der RAS-Server verbindet das Handy mit einem WAP-Gateway, das benötigt wird, um die Daten in internetkompatible Datenformate zu konvertieren. Es stellt so die Verbindung zu einem beliebigen Server im Internet her, der vom Handy unter Angabe der zugehörigen Internet-Adresse angewählt wurde.
Da der Datenfluss im GSM-Netz (Global System for Mobile Communications = heutiger Mobilfunknetz-Standard) trotz aller Kompressionstechniken sehr langsam (9,6 kBit/sec) ist, wurde für die Browser der Handys die reduzierte Seitenbeschreibungssprache WML (Wireless Markup Language) entwickelt. Diese erlaubt neben der Wiedergabe rein textbasierter Information nur Schwarzweißbilder in sehr geringer Auflösung. Auch ist die maximale Größe einer WML-Seite auf wenige Kilobytes (1,4 bis 3,5 kB) limitiert.
Ein großes Problem stellt eben diese geringe lokale Speicherkapazität der gegenwärtig verfügbaren Handys und deren in der Regel nur sehr kleines Display dar. Einerseits ist so ein Caching der abgefragten Informationen praktisch nicht möglich, andererseits machen die Mini-Displays ein exzessives, unübersichtliches Scrollen innerhalb der sowieso nur kleinen Informations-“Häppchen“ erforderlich. Eine sinnvolle Nutzung der WAP-Technik ist daher – wenn überhaupt – nur für kurze, hochstrukturierte, textbasierte Informationen möglich.
Während die WAP-Technologie im Bereich der Netzanbieter bereits flächendeckend verfügbar ist, gilt dies für die Verfügbarkeit geeigneter WAP-Handys noch nicht, wenngleich eine große Vielfalt visionärer Gerätedesigns auf den Homepages der Anbieter zu finden ist. Abgesehen von den Lieferschwierigkeiten gibt es auch ein Qualitätsproblem. So kann die Mehrzahl der Browser der im ersten Halbjahr 2000 verkauften Handys nicht einmal die extrem reduzierten Spezifikationen der WML-Sprache abbilden. Erst Ende dieses Jahres werden für den professionellen Einsatz geeignete WAP-Handys in ausreichender Stückzahl auf dem deutschen Markt sein.
GPRS, UMTS
Bis dahin wird ebenso die GPRS-Technologie (General Packet Radio Service) flächendeckend verfügbar sein – zumindest was die Technik bei den Funknetz-Betreibern betrifft. Da für die Nutzung dieser Technologie spezielle Endgeräte erforderlich sind, ist auch hier eine Verzögerung durch einen Geräte-Engpass wahrscheinlich.
GPRS ermöglicht bis zu fünfmal höhere Übertragungsraten als das GSM-Netz. Ebenso unterscheidet sich das GPRS-Netz vom GSM-Netz durch seine „always online“-Technologie und Abrechnungsweise: Bei GSM werden zeitgetaktete Telefon-Verbindungsgebühren abgerechnet. GPRS wird das Entgelt für die Informationsvermittlung ausschließlich abhängig von der real übertragenen Datenmenge erheben. Sobald ein GPRS-Handy eingeschaltet ist, steht es dauerhaft in Verbindung zur festen Sende- und Empfangsstation. Dadurch wird ein Arbeiten mit Online-Informationen wie bisher nur im Festnetz möglich. Auch die unmittelbare Erreichbarkeit des Handy-Nutzers für
E-Mail ist dann nicht mehr an die technisch stark limitierten SMS-Botschaften (Short Message Service) gekoppelt.
Im GPRS-Netz wird durch die erhöhten Übertragungsraten erstmals auch das mobile Arbeiten im herkömmlichen Internet durch Übertragung der klassischen HTML-Inhalte auf Notebooks in akzeptabler Zeit möglich. Allerdings wird die mobile Nutzung der HTML-Inhalte den gewonnenen Geschwindigkeitsvorteil unmittelbar wieder egalisieren. Für den schnellen und vorwiegend textbasierten Informationsfluss wird die WAP-Technologie mit ihren WML-Seiten daher auch im GPRS-Netz wohl vorerst ihre Daseinsberechtigung behalten – zumal der Auflösung kleiner und mittelgroßer Displays (Handy, Palm- und Handheld-Computer) physikalische und ergonomische Grenzen gesetzt sind, die aufwändige grafische Darstellungen ausschließen. Da die Abrechnung auf Basis der übertragenen Datenmenge erfolgt, sind einfache schnelle Seiten mit komprimierter Information zudem auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll.
Ein weiterer technischer Fortschritt, der dazu beitragen kann, die WAP-Technologie zugunsten des „klassischen“ Internets zu verdrängen, ist mit der Einführung und Verbreitung von UMTS (Universal Mobile Telecommunication Sys-
tem) zu erwarten. Der neue mobile Kommunikationsstandard mit einer Übertragungsrate von bis zu 2 MBit/sec wird jedoch voraussichtlich erst 2004 oder 2005 verfügbar sein. Sowohl die Frage nach der Flächendeckung als auch nach der Höhe der Übertragungsentgelte sind noch ungeklärt. Auch gibt es Endgeräte bisher erst als „handgelötete Entwicklerfantasie“.
Mit der Verfügbarkeit dieser Technologie wird jedoch der Wunsch nach Mobilität der Applikationen weiter wachsen, auch in der Medizin, etwa beim Zugriff auf die digitale Patientenakte am Krankenbett. Daher ist die Entwicklung und Nutzung der Mobilfunktechnik hin zur ungebundenen Datenkommunikation zukunftsweisend.
MedicWAP
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass ein praxisnah eingesetzter Informationsdienst wie MedicDAT zumindest mittelfristig auch die – bei der Antragstellung 1997 noch nicht so deutlich in den Vordergrund getretenen – mobilen Techniken nutzen können muss. So wurde das MedicDAT-Projekt in Abstimmung mit Förderer (BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Projektträger (BIBB – Bundesinstitut für Berufsbildung) um ein Unterprojekt erweitert: MedicWAP.
Ziel dieses Unterprojektes ist es, dass das MedicDAT-Projektteam bereits jetzt Erfahrungen mit den verfügbaren und in Entwicklung befindlichen mobilen Informationstechnologien sammelt. So soll die MedicDAT-Technologie bei der Einführung weitgehend uneingeschränkt nutzbarer Mobiltechniken bereits an diese Standards angepasst bzw. bereits für diese Technologien verfügbar sein.
Um zu vermeiden, dass nicht nur eine intellektuelle Auseinandersetzung mit den Mobiltechnologien erfolgt, und um sicherzustellen, dass auch praktische Erfahrungen gesammelt werden können, wurde mit MedicWAP der erste medizinische WAP-Server für Ärzte konzipiert
und im März 2000 in Betrieb genommen.
Bei der Konzeption ging es zunächst darum, geeignete Informationsinhalte zu finden, die eine professionelle Nutzung der WAP-Technologie bereits mit der heute verfügbaren Sende- und Endgeräte-Technik erlauben. Als erste geeignete Informationsquellen wurden ein Arzneimittelverzeichnis, Tabellen zur Notfallversorgung von Kindern aus dem Kinder Notfall- und Intensivbuch (Verlag Urban & Fischer, München) und die Nachrichten einer Tageszeitung für Ärzte ausgewählt. Das bereits in Buchform hochstrukturierte, inhaltlich hochwertige Arzneimittelverzeichnis ist als alltäglich genutztes Nachschlagewerk wichtig. Die Tabellen zur Notfallversorgung von Kindern ermöglichen den mobilen Zugriff auf Informationen, die von jedem im Notfall hinzugezogenen Arzt bei der Versorgung von Kindern benötigt werden können, sofern er nicht als Pädiater mit den beispielsweise lebensalter- und körpergewichtabhängigen Medikamentendosierungen vertraut ist. Gleichzeitig wurde bei der Entwicklung von MedicWAP eine möglichst breite Palette unterschiedlicher technischer Anforderungen berücksichtigt, um so ein breites Spektrum an Erfahrungen in den relevanten Bereichen der mobilen Informationstechnologien sammeln zu können.
Die Kinder-Notfall-Tabellen wurden als statische WML-Seiten realisiert und aus den vorliegenden Druckdateien (im QuarkXPress-Format) konvertiert.
Das Arzneimittelverzeichnis wurde – obwohl diese Informationen bereits als statische HTML-Dateien verfügbar sind – nicht in Form solcher Seiten realisiert. Vielmehr wurden die Rohdaten in eine Oracle-Datenbank eingelesen. Die WAP-Inhalte werden aus MedicWAP mit Hilfe einer Datenbank-Abfrage abgerufen und nach Arzneistoffen oder Handelsnamen sortiert dargestellt. Aktuell werden darüber hinaus die aufgeführten Adressen und Telefonnummern der deutschen Giftnotrufzentralen so überarbeitet, dass der Benutzer aus dem Handy-Browser heraus durch einfaches Anklicken eine direkte Telefonverbindung zum gewählten Giftnotrufzentrum herstellen kann.
Um das inhaltliche Spektrum von MedicWAP abzurunden, werden noch einige Werke, deren Bearbeitung für das MedicDAT-Projekt erforderlich ist, als „Abfallprodukt“ in die MedicWAP WML-Site einfließen. Da es sich um hochwertige Quellen handelt, werden diese die Attraktivität dieses Dienstes weiter erhöhen. Als nächste über MedicWAP verfügbare Quelle wird das Taschenbuch „Antibiotika am Krankenbett“ (Springer Verlag) vorbereitet.
Bei der Erschließung dieser neuen Quellen wird künftig auf ein gemeinsames, der Formatkonversion für MedicDAT und MedicWAP zugrundeliegendes Datenformat XML (Extended Markup Language) zugegriffen. So kann der Aufwand, die Informationsinhalte für die WAP-Technologie zu konvertieren und sie zugleich in die MedicDAT-Kommunikation einzubinden, minimiert und mittelfristig auch für beide Verfahren automatisiert werden.
Spezielle Kooperationen
Um mit der rasanten technischen Entwicklung im Mobilfunksektor Schritt zu halten, wurden mit dem schwedischen Endgeräte-Anbieter Ericsson und mit dem Mobilfunk-Provider T-Mobil strategische technische Partnerschaften geschlossen. Diese sehen vor, dass MedicWAP frühzeitig über technische Neuentwicklungen und über die Neudefinition von Standards im Bereich der mobilen Datentechnologien informiert wird und dem MedicDAT-Projekt der frühzeitige Zugriff auf Prototypen, Entwicklungswerkzeuge und -umgebungen dieser Firmen gewährt wird. Im Gegenzug sorgt MedicWAP dafür, dass bereits bei der Einführung neuer Kommunikationstechnologien über diese auf hochwertige Inhalte zugegriffen werden kann.
Perspektive
Das MedicWAP-Angebot in seiner heutigen Form ist von jedem WAP-fähigen Handy aus kostenfrei abrufbar. Dies wird jedoch aus zwei Gründen mittelfristig so nicht bleiben können: Einerseits wird die Bereitstellung hochqualifizierter Informationen dann kostenpflichtig sein müssen, wenn aus der Nutzung dieser Informationen ein geldwerter Vorteil für den Benutzer entsteht und bedingt dadurch der Verkauf traditioneller Informationsmedien (Bücher, CDs) zurückgeht. Andererseits muss der Zugriff auf bestimmte Informationen aus juristischen Gründen (zum Beispiel Arzneimittel-Werbeverbot) bei breiterer Nutzung der MedicWAP-Dienste auf bestimmte Berufsgruppen (Ärzte, Pharmazeuten) begrenzt werden.
Für die Fortentwicklung des MedicWAP-Projektes wird daher die Entwicklung bzw. Nutzung von Authentifizierungs-Methoden – beginnend bei der Rückidentifikation der anwählenden Telefonnummer bis hin zur Benutzer-Identifikation mit Hilfe des elektronischen Arztausweises – erforderlich sein. Dies wird auch eine Zuordnung der Kosten für die Übermittlung kostenpflichtiger Informationen ermöglichen. Ob sich ein Dienst wie MedicWAP auf diese Weise förderungsunabhängig finanzieren kann, wird das Benutzerverhalten zeigen. Davon wird auch der Fortbestand bzw. der weitere Ausbau dieses Teilprojekts abhängen. Die Arbeit mit den Au-
thentifizierungs-Verfahren wird helfen, wesentliche theoretische Vorarbeiten und praktische Erfahrungen in das Kernprojekt MedicDAT einzubringen. So kann MedicWAP seinen eigentlichen Sinn – Vorarbeiten für das MedicDAT-Projekt zu leisten – in jedem Fall erfüllen. Carl-Michael Reng,
Hildegard Fuchs
Kontaktadresse: Projektbüro MediDAT, Michaela Wagner, FJS-Allee 11, 93042 Regensburg, Telefon: 09 41/9 44 89 01, Fax: 09 41/9 44 89 02, E-Mail: info@medicdat.de


Basisinformationen zu MedicDAT MedicDAT (media interface for content-based connection of scientific documents, abstracts and text books) wird als Leitprojekt des BMBF (www.bmbf.de) gefördert. Projektlaufzeit: 1. 7. 1999 - 30. 6. 2004. Projektträger ist das BIBB (www.bibb.de).
Das Projekt wird von der Universität Regensburg geleitet. Projektpartner sind der Krankenhaus-Softwarehersteller GSD, Berlin, die Verlage Urban & Fischer, München, und Springer, Heidelberg, der Online-Dienst HOS, Berlin, und die Medizinische Universität Lübeck.

Web/WAP-Adressen
www.medicdat.de/wap: Detaillierte Informationen zur Nutzung der MedicWAP-Informationen (mit Links zum Thema Mobilkommunikation).
www.medicwap.de: Hier können die MedicWAP-Inhalte von jedem WAP-fähigen Browser abgefragt werden.
www.medicdat.de: Informationen zum MedicDAT-Projekt.
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