ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Asthmamanagement: Nationales ambulantes Schulungsprogramm

POLITIK: Medizinreport

Asthmamanagement: Nationales ambulantes Schulungsprogramm

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2286 / B-1950 / C-1834

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Mit Hilfe einer konzertierten Aktion soll erwachsenen
Asthmatikern bundesweit eine qualitätsgesicherte,
standardisierte Patientenausbildung angeboten werden.

Asthmatiker, die aktiv in ihre Behandlung einbezogen sind, erleiden weniger schwere Anfälle, sind seltener krankgeschrieben und werden seltener ins Krankenhaus eingewiesen. Diese Erkenntnisse haben in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Schulungsprogrammen für Asthmatiker geführt. So erfreulich die Vielfalt der Angebote erscheint, nachteilig sei, dass es im ambulanten Bereich kein bundesweit etabliertes, standardisiertes und evaluiertes Schulungsprogramm für erwachsene Asthmatiker gibt, sagte der Fürther Pneumologe und Vorsitzende der Deutschen Atemwegsliga, Prof. Heinrich Worth, bei einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall.
Pädagogischer Leitfaden
Zusammen mit dem Berufsverband der Pneumologen und der Sektion Prävention und Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie hat die Deutsche Atemwegsliga deshalb eine Initiative gestartet, um ein „Nationales ambulantes Schulungsprogramm für erwachsene Asthmatiker (NASA)“ zu etablieren. Grundlage für NASA ist das „Ambulante Fürther Asthma-Schulungsprogramm“, das Schulungsprogramm der Bad Reichenhaller Fachklinik für Erkrankungen der Atmungsorgane sowie das Schulungsprogramm des Berufsverbandes der Pneumologen.
Im Kern besteht NASA aus einem pädagogischen Leitfaden zur Unterrichtsplanung und -organisation, aus Train-the-Trainer-Seminaren zur Qualitätssicherung und aus Refresher-Kursen für Patienten und Asthmatrainer. NASA sieht vor, dass die erwachsenen Asthmatiker in Gruppen von vier bis acht Teilnehmern in sechs Unterrichtseinheiten mit jeweils 60 Minuten durch qualifizierte Ärzte und Praxishelferinnen geschult werden. Inhalt der Patientenschulung, die mit einem strukturierten Programm sowie einheitlichen Bildern und Begriffen arbeiten soll, ist die Selbstkontrolle und die Selbstmedikation, das Training der richtigen Inhalationstechnik und des Verhaltens bei einem Asthmaanfall. Durch regelmäßige Peak-Flow-Messungen sollen die Patienten eine Verschlimmerung ihres Zustandes rechtzeitig erkennen und darauf mit einer Dosisanpassung ihrer Medikamente reagieren können.
Die Notwendigkeit einer qualitätsgesicherten Patientenschulung zeigt sich nach der Darstellung von Worth in der Differenz zwischen den Fortschritten in der Diagnostik und Pharmakotherapie des Asthma bronchiale einerseits und der steigenden Morbidität und der noch immer zu hohen Letalität dieser Erkrankung andererseits. „Der medizinische Fortschritt ist bei den Patienten nicht angekommen“, sagte Worth. Hauptursache sei der unzureichende Wissensstand der Asthmatiker über ihre Erkrankung. Die Kenntnisse über Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Vorbeugung und im Notfall seien erschreckend gering. Eine Voraussetzung für die flächendeckende Einführung von NASA sei eine bundesweite Regelung für die Vergütung der ambulanten Asthma-Schulung, betonte Worth. Vorbild hierfür könnte eine in Bayern seit 1999 geltende Vereinbarung zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung sein, fügte Prof. Wolfgang Petro (Bad Reichenhall) hinzu. Jürgen Stoschek

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