ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Tinnitus: Nonnensausen?

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Tinnitus: Nonnensausen?

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2307 / B-1969 / C-1852

Schuschke, Giselher

Zu dem Beitrag „Von Ohrgeräuschen, die nicht im Ohr entstehen“ von Prof. Dr. med. Michael Forsting in Heft 26/2000:
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LNSLNS Vor Jahrzehnten hörte ich als junger Mann eines Tages in der Wohnung ein mäßig zischendes, intermittierendes rhythmisches Geräusch, dessen Quelle ich zunächst außen suchte. Die zu synchronem Schweigen angehaltenen Familienmitglieder vernahmen nichts. Ich wurde ob der Ruhe nun der Pulssynchronizität und Rechts-Lateralisierung des akustischen Vorganges gewahr. Kurzes Belesen machte mir als Nichtchirurgen klar, dass ich entgegen meinen Prinzipien wohl doch eines fachspezifischen Rates bedurfte. Da war denn anderntags im ambulanten Ad-hoc-Gespräch im Klinikumsgelände von ernsten differenzialdiagnostischen Konsequenzen (im Sinne des Artikels) bis zum Aneurysma die Rede, die mich mehr als das Geräusch selbst beunruhigten. Der Abend dieses Tages führte mir den wesentlich älteren Physiologen unserer Fakultät als Hausmusikpartner zu. Vor dem Einstimmen der Instrumente war von dem weniger tonhaften mystischen Geräusch die Rede. Der vielerfahrene Physiologieprofessor (Wolfgang Kalkoff) sagte mir auf den Kopf zu, ich hätte Nonnensausen und erläuterte, dass der bei den frommen Frauen wegen des monatlichen Blutverlustes und vielem Fasten geradezu schicksalhafte Eisenmangel die Viskosität des Blutes bis zum Entstehen von Turbulenzgeräuschen (in der V. jugularis communis) verringere. Ich sollte ein Eisenpräparat nehmen, dann würde sich zeigen, ob er Recht hätte.
In diese Richtung gelenkt, fand ich auch zusammen, dass mich seit einer eitrigen Angina eine extreme Müdigkeit und Blässe heimsuchten und ich also eine so genannte Infektanämie haben konnte.
Schon nach drei Tagen oraler Eisentherapie war ich von dem geschilderten Geräusch befreit und um eine diagnostische Kenntnis mit soziokulturellem Einschlag reicher, die noch zum selbstverständlichen Paratwissen meiner Vorgängergeneration gehörte.
Prof. Dr. med. Giselher Schuschke, Erlenweg 2, 39120 Magdeburg
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