ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Curriculum Ärztliches Qualitätsmanagement

POLITIK: Leitartikel

Curriculum Ärztliches Qualitätsmanagement

Stobrawa, F.

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LNSLNS Das während des 99. Deutschen Ärztetages in Köln (Juni 1996) vom Vorsitzenden der Qualitätssicherungsgremien der Bundes­ärzte­kammer, Professor Dr. med. Friedrich-Wilhelm Kolkmann, Stuttgart, vorgestellte Curriculum Qualitätssicherung (Teil 1: Ärztliches Qualitätsmanagement) sowie der Beschluß der baden-württembergischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, eine Fachkunde für Qualitätsmanager einzuführen, fand in der ärztlichen Fachöffentlichkeit lebhaftes Interesse. Ziel ist es, mit Hilfe des Curriculums für ärztliche Qualitätsmanager, das von der Bundes­ärzte­kammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften herausgegeben wurde, Managementqualifikationen für Ärzte zu definieren und festzulegen.


Während der ärztlichen Weiterbildung soll der Arzt mit der Qualitätssicherung (QS) vertraut gemacht werden. Darüber hinaus kann er eine Zusatzqualifikation "Ärztlicher Qualitätsmanager" erwerben. Dieser Qualifikationsgang wird mit einem Diplom abgeschlossen. Die Vermittlung der Inhalte erfolgt in Kursen, die inhaltlich und zeitlich festgelegt sind. Anlaß war die Novelle der Muster-Weiter­bildungs­ordnung im Jahr 1992, die in nahezu allen Fachgebieten vorsieht, daß sich der Arzt obligatorisch mit Fragen der Qualitätssicherung in seiner Weiterbildung auseinanderzusetzen hat. Der erste Teil des Curriculums QS wendet sich in erster Linie an Multiplikatoren, die Fragen des ärztlichen Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen in der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Studenten und Ärzten vermitteln wollen.
Die Vermittlung des Themas "Qualitätssicherung" ist auch innerhalb der ärztlichen Ausbildung, im Medizinstudium also, defizitär. Aufgrund eines differenzierten Lehr- und Lernzielkataloges werden inhaltliche Vorgaben gemacht. Das Curriculum bietet auch allen Ärzten in Weiter- und Fortbildung vielfältige Möglichkeiten, sich mit der Materie des ärztlichen Qualitätsmanagements vertraut zu machen, nicht zuletzt auch anhand ausgewählter Texte zur Einführung in die Thematik sowie eines Glossars und eines Literaturverzeichnisses.
Die ärztliche Selbstverwaltung reagiert mit dem Curriculum QS auf das sich dynamisch entwickelnde Gesundheitswesen, in dem sowohl qualitätssichernde als auch ökonomische Aspekte zunehmend an Bedeutung gewinnen. Qualitätsmanagement ist kein Schlagwort von temporärer Bedeutung, sondern verlangt zukünftig qualifiziertes ärztliches Personal, das Managementaufgaben im Krankenhaus oder im System der vertragsärztlichen Versorgung systematisch und professionell angehen und lösen kann. Dafür sind zusätzliche Kompetenzen notwendig, die bisher systematisch nicht vermittelt werden. Ärzte sollen durch das Curriculum QS befähigt werden, diese Rolle zu übernehmen.


Aufgabe der Ärztekammern
Die Vermittlung von Lerninhalten, Weiterbildungszielen und Fortbildungsprogrammen erfolgt in erster Linie durch die Ärztekammern beziehungsweise ihre Fortbildungsakademien. Aber auch externe Bildungseinrichtungen, die solche Programme für Ärzte anbieten, sollen darüber informiert werden, wie und auf welcher Basis die qualifizierte Vermittlung erfolgen kann und wie die von ihnen angebotenen Veranstaltungen anerkannt werden können.
Die Konzeption der Lerngebiete, Lernziele, Lehr- und Lerninhalte ist dreistufig konzipiert (vgl. Tabelle). Aufbauend auf Grundkenntnissen und Grundwissen, das in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung unterrichtet werden sollte, erfolgt eine Fachqualifikation mit spezifischen Inhalten der ärztlichen Fachtätigkeit. Im Rahmen einer dritten Curriculumstufe (Fortbildung) wird eine eigenständige berufliche Aktivität begründet: die des "ärztlichen Qualitätsmanagers". Er kann nicht nur in Institutionen des Gesundheitswesens eine führende Rolle übernehmen, sondern auch sein spezifisches Fachwissen in die Tätigkeit eines Auditors bei einer Zertifizierungsstelle von Gesundheitseinrichtungen einbringen.
Die Grundausbildung zum ärztlichen Qualitätsmanagement sollte innerhalb einer Woche absolviert werden. Darauf folgt die Fachqualifikation mit 80 weiteren Stunden, gefolgt von der Ausbildungszeit zum ärztlichen Qualitätsmanager. Die Vermittlung erfolgt in Form von Kursen, Seminaren, Lehrgängen und ähnlichen Veranstaltungen, auch kumulierend. Hauptausbildungsziel muß es sein, daß nicht nur Wissen und Fähigkeiten, sondern auch eine mentale Verbindung mit den Zielen der Qualitätssicherungsarbeit vermittelt wird.
Neben Teilnahmebescheinigungen für die Kurse muß in einer Prüfung nachgewiesen werden, daß die Lernziele erreicht worden sind. Darüber werden Zertifikate ausgestellt. Die letzte Stufe enthält ein von den Ärztekammern zu verleihendes Diplom. Konzeptionelle Überlegungen zum Ärztekammer-Diplom "Ärztliches Qualitätsmanagement" sind Neuland im ärztlichen Bildungswesen und müssen noch im Detail durchdacht werden. Aber gerade die interdisziplinäre, interprofessionelle und fächerübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen des Qualitätsmanagements eröffnet dem Arzt einen angemessenen Weg, einen qualifizierten Bildungsabschluß zu erwerben und zu dokumentieren. Die Qualifikation zum ärztlichen Qualitätsmanager sollte auf einer gewissen Berufserfahrung im ärztlichen Beruf aufbauen.
Die zeitlichen Vorgaben, die Handlungsanweisungen und die inhaltlichen Vorgaben sind Richtwerte und stellen einen Rahmen dar, an dem sich die zu erwerbenden Erfahrungen der Kursveranstalter in Zukunft orientieren sollten. Die praktische Realisierung erfolgt zur Zeit bei den Ärztekammern. Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg, wo im Rahmen der Akademie Medizinische Informatik bei der Universität Heidelberg erste Erfahrungen mit einem Kurssystem gesammelt werden, aber auch die Ärztekammern Niedersachsen, Berlin und Schleswig-Holstein planen Modellversuche, die sich im Rahmen der vom Curriculum QS gegebenen Vorgaben bewegen. Sie sind geeignet, entsprechende Erfahrungen auch in die Fortentwicklung des Curriculums einzubringen – ein guter Ansatz zur Evaluation des Curriculums.


Weiterentwicklung
Die Weiterentwicklung des Curriculums durch eine Arbeitsgruppe bei der Bundes­ärzte­kammer ist ein weiteres Ziel. Die Befragung der Kursteilnehmer am Ende der Veranstaltung mittels eines Fragebogens und seine Auswertung stellen nicht nur ein Instrument zur Überprüfung des Wissenszuwachses der Kursteilnehmer dar, sondern liefern auch wertvolle Informationen zur Gesamt-evaluation des Konzeptes.


Dipl.-Volksw. Franz F. Stobrawa
Bundes­ärzte­kammer, Herbert-Lewin-Straße 1, 50931 Köln


Literaturhinweis: Curriculum Qualitätssicherung/Ärztliches Qualitätsmanagement. Hrsg.: Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V., Teil 1, 1. Auflage, Köln, Düsseldorf, Juni 1996, 306 Seiten

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