ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Sildenafil (Viagra): Risikoprofil von Viagra

MEDIZIN: Diskussion

Sildenafil (Viagra): Risikoprofil von Viagra

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2323 / B-1984 / C-1768

Müller-Oerlinghausen, Bruno

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Jochen SchopholPriv.-Doz.Dr. med. Ekkehard HaenDr. med. Traugott UllrichProf. Dr. med. Roland Gärtnerin Heft 6/2000
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LNSLNS Die Beschreibung von Sildenafil (Viagra) im Deutschen Ärzteblatt kommt insofern zum rechten Zeitpunkt, als durch bekannt gewordene Todesfälle im Zusammenhang mit der Einnahme von Viagra das Interesse der Öffentlichkeit am Nutzen-Risiko-Verhältnis dieser Substanz in den letzten Monaten stark gewachsen ist. Die Autoren weisen zu Recht auf die Wissenslücken bezüglich der differenziellen Wirksamkeit und Indikation bei verschiedenen Untergruppen der Erektionsstörung hin. Hinsichtlich der Risiken von Sildenafil unter „naturalistischen“ Bedingungen erscheint der Artikel jedoch verharmlosend. Man hätte sich zumindest einen Hinweis auf diesbezüglich offene Fragen gewünscht. Aus kontrollierten, klinischen Studien allein lässt sich das tatsächliche Nutzen-Risiko-Profil von Viagra nämlich nicht beurteilen. Vielmehr müssen die Ergebnisse aus dem Spontanerfassungssystem der einzelnen Länder sowie aus lege artis durchgeführten Phase-4-Studien einer kritischen Analyse zugeführt werden. Wir sollten hier aus der Diskussion um Mibefradil (Posicor) gelernt haben. Auch wenn behauptet wird, die europäische oder US-amerikanische Behörde analysiere die Risiken kontinuierlich, so findet sich auch in diesem Artikel kein Hinweis auf eine dazu publizierte wissenschaftliche Stellungnahme – erstaunlich angesichts der kontroversen Kommentare zur Sicherheit der Viagra-Anwendung. Aus Sicht der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) ist zum Beispiel durchaus fraglich, ob nicht auch gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Substanzen außer Nitraten in Rechnung gestellt werden müssen. Unklar ist auch, ob bestimmte genetische Veranlagungen ein erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen bei Monotherapie mit Sildenafil bedingen können. Schließlich sollte diskutiert werden, ob nicht eine grundsätzlich sehr vorsichtige, allmähliche Dosisauftitrierung das Risiko von unter Umständen lebensgefährlichen Nebenwirkungen vermindern kann. Die AkdÄ wird sich mit diesen Fragen in naher Zukunft intensiv beschäftigen.

Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen
Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission
der deutschen Ärzteschaft
Aachener Straße 233–237
50931 Köln

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