ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Sildenafil (Viagra): Vorsichtige Anwendung

MEDIZIN: Diskussion

Sildenafil (Viagra): Vorsichtige Anwendung

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2323 / B-1984 / C-1768

Ströbele, Regina

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Jochen Schophol Priv.-Doz. Dr. med. Ekkehard Haen Dr. med. Traugott Ullrich Prof. Dr. med. Roland Gärtner in Heft 6/2000
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LNSLNS Auch wenn keine „Studienergebnisse“ vorliegen, sind gesicherte Todesfälle durch Sildenafil plus Nitrat-Verbindungen oder -Liberatoren ein Grund, diese Substanz nur unter allergrößter Vorsicht einzusetzen. Zumal „Veränderungen der arteriellen Strombahn“ (Arteriosklerose), die ohnehin die – organische – Hauptursache darstellen, bei über 65-Jährigen neben oder als Folge von Diabetes mellitus weitaus am häufigsten der Grund für Erektionsstörungen sein dürften.
Dass die einzigen rational begründbaren Zielgruppen für Sildenafil jüngere, also meist Typ-1-Diabetiker, bei denen eine kombinierte, nicht psychogene organische Störung vorliegt, und Rückenmarktraumatisierte sein sollten, steht leider nirgends. Als Placebo ist es einfach zu teuer.
Von über 65-Jährigen wird es hauptsächlich auf Rezept verlangt (die anderen beschaffen sich das Präparat aus dem Internet oder auf dem Schwarzmarkt), und oft wird es von diesen als Aphrodisiakum missverstanden; wobei ich mich – am Rande bemerkt – frage, was der Unterschied zwischen einem solchen und etwas, was die Libido steigert, ist.
Ich halte mich ans Arztgeheimnis, aber mir scheint, dass die Autoren nur deshalb keinen Fall von Priapismus kennen, weil dieser meist zu Zeiten des Nacht- und Wochenend-Bereitschaftsdienstes eintritt und weil die „Patienten“ sich dermaßen genieren, dass sie lieber unter Schmerzen abwarten, bis der Zustand vorbei ist, als einem fremden Arzt davon zu berichten.
Unter 50 mg Sildenafil plus Stimulierung kommt es bei gesunden Männern wahrscheinlich häufig zum Priapismus, und auf dem Schwarzmarkt scheint es die niedriger dosierte Darreichungsform kaum zu geben . . .
Außer Kühlen hilft wirklich nur Abwarten.

Dr. med. Regina Ströbele
Buschingstraße 57
81677 München

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