ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Sildenafil (Viagra): Risiken verharmlost

MEDIZIN: Diskussion

Sildenafil (Viagra): Risiken verharmlost

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2325 / B-1986 / C-1869

Egidi, Günther

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Jochen Schophol Priv.-Doz. Dr. med. Ekkehard Haen Dr. med. Traugott Ullrich Prof. Dr. med. Roland Gärtner in Heft 6/2000
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LNSLNS Die Darstellung von Wirkungen und Nebenwirkungen von Sildenafil (Viagra) kann meines Erachtens nicht unkommentiert bleiben. Die Behauptung, „es ergebe sich ein relativ harmloses Nebenwirkungsprofil für Sildenafil“, stellt angesichts von 500 Toten weltweit und 18 dokumentierten Fällen in Deutschland (1–3) eine unglaubliche Verharmlosung dar.
Über die Häufigkeit und Schwere von Sehstörungen geben die Hinweise zur sicheren Anwendung von Sildenafil, herausgegeben von der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (4), ein deutlich ernst zu nehmenderes Bild ab.
Kein Wort zu den zu erwartenden Interaktionen durch den Cytochrom-P450-Metabolismus mit dann durchaus zu schweren Nebenwirkungen führenden Begleiteffekten!
Kein Wort schließlich zu dem Umstand, dass gerade die Risikopatienten, die in den Studien schön sauber ausgeschlossen werden, diejenigen sind, die am ehesten zu Viagra greifen!
Es gibt durchaus ernst zu nehmende Pharmakologen, denen zum Risikoprofil von Sildenafil am ehesten der Vergleich zum Ausmaß der Contergan-Affäre einfällt.

Literatur
1. Mitka M: Some men who take viagra die – why. Jama 2000; 283: 590–591.
2. Brief BfArM 7. Februar 2000 (Presse-Mitteilung der Behörde über 17 Todesfälle im Zusammenhang mit der Einnahme von Viagra).
3. Henney J, Shuren J: Direct sale of sildenafil to consumers over the internet. N Engl J Med 2000; 343: 740–742.
4. Veröffentlichung der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft. Dt Ärztebl 1998; 95: A-2575– 2576 [Heft 41].

Günther Egidi
Arzt für Allgemeinmedizin
Huchtinger Heerstraße 41
28259 Bremen

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