ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Gynäkologie: Neue Entwicklungen für die Kontrazeption

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Gynäkologie: Neue Entwicklungen für die Kontrazeption

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2332 / B-1892 / C-1736

Leinmüller, Renate

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mit einem Implantat und einem Pflaster stehen neue Alternativen zur Kontrazeption ins Haus. Aber auch bei den Antibabypillen sind Neuerungen zu erwarten, wie Prof. Thomas Rabe (Heidelberg) auf der Jahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in München darlegte.
Bei den Kombinationen mit reduziertem Gehalt an Ethinylestradiol (EE2) setzen die Firmen Schering und Wyeth auf 60 µg Gestoden mit 15 µg EE2; ohne Estrogenanteil ist ein Produkt der Organon mit 75 µg 3-Keto-Desogestrel. Als neues Gestagen wird der Aldosteron-Antagonist Drospirenon (3 mg) mit 30 µg EE2 von Schering eingeführt werden.
In der Ortho-US-Entwicklung ist ein Hormonpflaster mit Norgestimat, bei dem für 2001 mit der Zulassung gerechnet wird.
Seit Jahresbeginn verfügbar ist mit Implanon® ein Implantat, das 3-Keto-Desogestrel enthält und bis zu drei Jahren eine hohe kontrazeptive Sicherheit bietet. Die Zulassung für ein Levonor-gestrelhaltiges Implantat wird für das kommende Jahr erwartet. Ende des Jahres soll auch ein Vaginalring mit EE2 und 3-Keto-Desogestrel marktreif sein.
Die Tubensterilisation – vor einigen Jahren in den USA mit Versagerquoten von fünf Prozent über zehn Jahre in Verruf gekommen – sei hierzulande mit ein bis zwei Schwangerschaften bei 1 000 Fällen sicherer als in den USA, erläuterte Rabe. Als neue Methode wird Ovubloc® eingeführt; hierbei wird ein Siloxan-„Stopfen“ hysteroskopisch am isthmischen Teil der Tuben eingesetzt. Die anschließende Fibrosierung macht die Tuben undurchlässig.
Erwünschte positive Nebeneffekte auf Haut und Haare sind jedoch nur bei der oralen Kontrazeption zu erwarten – im Fall von Akne speziell mit Kombinationen, die antiandrogen wirksame Gestagene wie Chlormadinonacetat, Cyproteronacetat, Dienogest oder Norgestimat enthalten.
Um ähnlich wie bei der transdermalen Verabreichung den „first-pass-Effekt“ in der Leber und damit unerwünschte Wirkungen auf die Blutgerinnung zu vermeiden, wurde am Klinikum Großhadern die tiefe alveoläre Inhalation von speziellem 17b-Estradiol-Trockenpulver (2 und 8 mg) getestet. Bis auf einen unphysiologischen Initialpeak, der wahrscheinlich durch eine veränderte Zusammensetzung der speziell entwickelten Estrogenpartikel („large porous particles“) beeinflusst werden kann, zeigten sich im Serum über bis zu 72 Stunden erhöhte Estradiolspiegel, berichtete Prof. Christian J. Thaler (München). Die Bioverfügbarkeit des Estradiols betrug knapp die Hälfte von i.v. appliziertem E2 und war damit 14fach höher als bei oraler Gabe.
Diese Zubereitungsform ergibt deutlich länger anhaltende Estrogenserumwerte als die einmal tägliche intranasale Applikation von 300 µg, bei der initial ebenfalls hohe Peakwerte (1 200 pg/ml) erreicht werden. Bereits nach zwei Stunden sind die Serumkonzentrationen jedoch auf zehn Prozent abgesunken, nach zehn Stunden ist die Substanz nicht mehr nachweisbar. Trotzdem bewirkt diese „gepulste Estrogentherapie“ eine zuverlässige Linderung von Klimakteriumsbeschwerden, wie Prof. Herbert Kuhl (Frankfurt) darlegte.
Der Endokrinologe führte dies auf die Bindung an den Rezeptor zurück: Die hier-durch ausgelösten genomischen Wirkungen sind bekanntlich nicht kurzfristig, sondern setzen zeitverzögert ein und dauern über einen längeren Zeitraum an. Der Wirkeffekt sei deshalb sehr viel länger als der Zeitraum, in dem der Ligand tatsächlich am Rezeptor angedockt ist, erklärte Kuhl. Dr. Renate Leinmüller
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema