VARIA: Personalien

Geburtstage

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2334 / B-1998 / C-1775

Lock, W.

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LNSLNS Prof. Dr. med. Walter Schmitt, Begründer der Sozialpsychiatrischen Klinik auf dem Sonnenberg und später leitender Arzt des „Zentrums für Psychologische Medizin“ in Saarbrücken, wurde am 25. August 80 Jahre alt.
In Mannheim geboren, studierte er – unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg – in Heidelberg Medizin und Psychologie und wirkte zunächst an der Psychiatrischen und Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg bei Prof. Dr. Kurt Schneider. Mit Prof. Dr. Hans-Hermann Meyer wechselte er als Oberarzt 1958 an die Universitäts-Nervenklinik in Homburg/Saar und habilitierte sich 1961 für Psychiatrie und Neurologie.
Das Ziel seiner ärztlichen und wissenschaftlichen Tätigkeit war von Anfang an eine Reform der medizinischen und sozialen Versorgung der psychisch Kranken des Saarlandes. Die Universität und das zuständige Ministerium unterstützten seine Bemühungen und ermöglichten ihm im Dezember 1970, der Wahl des Aufsichtsrates der Saarland-Heilstätten GmbH als Chefarzt der neu zu errichtenden Sozialpsychiatrischen Klinik in Saarbrücken zu entsprechen, ohne seine Zugehörigkeit zur Universität aufzugeben.
Forschung und Lehre sowie die Mitarbeit in den Selbstverwaltungsgremien der Universität blieben weiter Pflicht. Die neu errichtete Klinik auf dem Sonnenberg baute er in den folgenden Jahren zu einem weit gefächerten „Zentrum für Psychologische Medizin“ aus, zu welchem neben betreuenden Einrichtungen im Stadtgebiet Saarbrücken auch die Suchtentwöhnungsklinik Völklingen-Ludweiler (später Klinik Tiefental, Saarbrücken), die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf und die Rehabilitationseinrichtung für psychisch Behinderte zählen.
Prof. Schmitt ist Gründungs- und Ehrenmitglied der „Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie“ und Träger der Ernst-von-Bergmann-Plakette der Bundes­ärzte­kammer.

Dr. med. Dieter Schareck, seit 1957 als Orthopäde in Lörrach niedergelassen, wurde am 25. August 80 Jahre alt.
Der gebürtige Schlesier ließ sich 1957 – nach Jahren der wissenschaftlichen Assistententätigkeit an der Universität Freiburg – als Facharzt für Orthopädie/Sportmedizin in Lörrach nieder. Lange Jahre wirkte Schareck engagiert in der ärztlichen Berufs- und Gesundheitspolitik. Er gehörte zu den Mitbegründern des Marburger Bundes (Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.) in Südbaden, dessen 1. Vorsitzender er war. Von 1951 an wirkte Schareck als Vorstandsmitglied und Delegierter der damaligen Ärztekammer Baden, später der Bezirksärztekammer Südbaden.
Er wurde im Mai 1978 zum Präsidenten der Bezirksärztekammer Südbaden gewählt, ein Amt, in dem er mit großer Mehrheit Anfang 1987 für weitere vier Jahre bestätigt wurde. Besondere Verdienste erwarb sich Schareck im Bereich der Katastrophenmedizin und bei der ärztlichen Fort- und Weiterbildung. In Anerkennung seines berufspolitischen Engagements und seines Einsatzes erhielt Dr. Schareck 1984 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. 1980 ehrte die baden-württembergische Ärzteschaft das NAV-Mitglied Schareck mit der Albert-Schweitzer-Medaille. 1991 ist er mit dem Großen Verdienstkreuz dekoriert worden. EB

OMR Doz. Dr. sc. med. Kurt Höck, ehemaliger Chefarzt des Instituts für Psychotherapie und Neuroseforschung Berlin und Ärztlicher Direktor des Hauses der Gesundheit Berlin, wurde am 5. September 80 Jahre alt.
Nach dem Medizinstudium in Greifswald war er als Truppen- und Lazarettarzt tätig und absolvierte seine internistische Weiterbildung bei Koch, Katsch und Brugsch in Berlin. Nach seiner Psychotherapie- und Psychoanalyseausbildung bei Schulz-Hencke, Schlüter, Schneider, Baumeier und Müller-Braunschweig leitete er von 1956 bis 1986 die erste Psychotherapieabteilung der DDR im Haus der Gesundheit Berlin, dessen Ärztlicher Direktor er bis 1986 war. Seine Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme und Integration, sein Organisationstalent wie seine visionäre Intelligenz machten aus ihm so etwas wie einen Psychotherapieminister der DDR, obwohl er nie einer Partei angehörte. Er führte die Gruppenpsychotherapie ein und prägte sie wesentlich. 1978 setzte er den Facharzt für Psychotherapie durch.
Kurt Höck ist Mitglied und Ehrenmitglied internationaler und nationaler Fachgesellschaften. 1995 wurde er für seine Verdienste um die Aus-, Weiter- und Fortbildung in Psychotherapie mit der Ernst-von-Bergmann-Plakette, verliehen durch die Bundes­ärzte­kammer, geehrt. R. Kirchner

Prof. Dr. phil. Dr. med. Enno Freerksen, em. ordentlicher Professor für Experimentelle Medizin an der Universität Kiel und ehemaliger Direktor des Forschungsinstituts Borstel, vollendet am 11. September sein 90. Lebensjahr.
Die in der Nachkriegszeit entstandene brisante Tuberkulosesituation veranlasste 1946 drei norddeutsche Bundesländer, als Gegenmaßnahme eine wissenschaftliche Forschungsstelle einzurichten. Es entstand aus anfänglich bescheidenen Verhältnissen in wenigen Jahren das auch international renommierte „Institut für experimentelle Biologie und Medizin“ in Borstel mit 14 Abteilungen einschließlich einer Klinik und der Möglichkeit zu groß angelegten Tierversuchen. Ein wesentlicher Maßstab für Aufgabenstellung und Arbeitsweise des Instituts war die von Freerksen vertretene Idee einer Integration von Forschung und Praxis. Ihre Realisation erwies sich als fruchtbar. Bei vier seuchenhaften Erkrankungen (Lepra, Typhus, Malaria, Tuberkulose) konnten neue Therapieformen entwikkelt werden.
Die Vielzahl der im Laufe der Jahre in Borstel bearbeiteten Forschungsprojekte wurde in regelmäßig abgehaltenen Kolloquien mit ausländischer Beteiligung diskutiert, ihre Ergebnisse wurden in Jahrbüchern und Fachzeitschriften veröffentlicht.
Im Rahmen der vorwiegend bakteriologisch ausgerichteten Arbeitsweise des Instituts waren es die Mykobakterien, insbesondere M. tuberculosis und M. leprae, mit denen sich Freerksen und Mitarbeiter eingehend beschäftigten. Ihre Forschungsergebnisse trugen maßgeblich zur Neuorientierung der Tuberkulosebekämpfung in Deutschland bei. Bei der Lepra entwickelte Freerksen ein Ersatz-Kulturverfahren für den nicht züchtbaren Erreger, das eine exakte Bestimmung der Wirksamkeit zu testender Medikamente und ihrer Kombinationen erlaubt. Das zur Lepra-Therapie von ihm inaugurierte fixe Kombinationspräparat wurde unter seiner Leitung im Malta-Projekt angewendet, das 1972 begann. Unter zwei- bis sechsmonatiger ambulanter Kurzzeittherapie heilten die 254 Leprakranken der Insel aus. Konsequent durchgeführte Kontrollen über 27 Jahre ergaben kein Rezidiv und keine Neuerkrankung. Damit war erstmals die regionale Eradikation einer für unausrottbar gehaltenen Seuche gelungen.
Das Ende seiner 32-jährigen Tätigkeit als Direktor des Borsteler Instituts im Jahr 1978 war für Freerksen nicht ein Wechsel in den Ruhestand. Er wurde von den Regierungen tropischer Länder bei der Bekämpfung von Lepra und Tuberkulose in beratender und organisatorischer Funktion zugezogen. Die Belastung bei fortgeschrittenem Alter durch Klima, Reisen und Arbeit vor Ort in Entwicklungsländern zwang ihn jedoch zu ihrer Einstellung vor wenigen Jahren. Seither gilt sein Interesse vorwiegend theoretisch-wissenschaftlichen Untersuchungen zur Chemotherapie.
Freerksen ist Forscher aus Berufung. Bei Arbeitsweise und Methodik ist der Einfluss seines früheren philosophischen und naturwissenschaftlichen Studiums unverkennbar. Seine Maxime: Nichts kann nur darum richtig sein, weil es allgemein als selbstverständlich gilt. Der Anfang jeder Problemlösung ist der Zweifel, ihr Ende das Wesentliche im Einfachen und die Verifikation durch das Experiment.
Der beharrliche und kompromisslose Vortrag seiner Forschungsergebnisse und ihrer Folgerungen, die nicht selten im Widerspruch zu konventionellen Ansichten standen, brachten Freerksen häufig kontroverse Reaktionen und Gegnerschaft, aber auch Anerkennung und Bewunderung ein.
Bei aller persönlichen Bescheidenheit kann der nunmehr 90-jährige und noch immer Erkenntnis suchende Wissenschaftler mit Stolz auf sein Lebenswerk zurückblikken. W. Lock
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