ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2000Friedrich Daniel von Recklinghausen: Der Forscher von Gütersloh

VARIA: Geschichte der Medizin

Friedrich Daniel von Recklinghausen: Der Forscher von Gütersloh

Dtsch Arztebl 2000; 97(36): A-2327 / B-1988 / C-1870

Lakämper-Lührs, Heinrich

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LNSLNS Das Stadtmuseum Gütersloh erinnert an den berühmten Pathologen.

Am 25. August 1910 starb in Straßburg der Pathologe Friedrich Daniel von Recklinghausen. Er beschrieb mehrere Krankheitsbilder, die noch heute mit seinem Namen verbunden sind. Recklinghausen war zugleich Zeuge (als Student bei Virchow), wissenschaftlicher Motor (als Forschender in Berlin, Würzburg sowie in Straßburg) und Organisator (als Professor der neuen deutschen Universität in Straßburg) dieser Fachentstehung.
Entstehung der Pathologie
Geboren wurde der spätere Pathologe als Sohn des evangelischen Lehrers und Küsters im westfälischen Gütersloh am 2. Dezember 1833. In seiner Heimatstadt weist das Stadtmuseum Gütersloh seit 1988 als Teil seiner Dauerausstellung zur Geschichte der medizinischen Versorgung auf Recklinghausen hin und erinnert seit 1995 mit einer Tafel an seinem ehemaligen Schulgebäude an den weltberühmten Pathologen. Noch bis zum 24. September widmet es dem Forscher aus Gütersloh nun eine eigene Sonderausstellung.
Neben der familiären Herkunft wird in der Präsentation mit Druckwerken aus dem 17. Jahrhundert und Präparaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert die Entstehung der Pathologie als medizinische Fachdisziplin an Beispielen von Andreas Vesalius (1514 bis 1564) bis hin zu Rudolf Virchows grundlegender „Zellularpathologie“ von 1858 gezeigt. Während die französische Regierung in Straßburg bereits 1819 den weltweit ersten Lehrstuhl für die damals noch anatomische Pathologie genannte Disziplin eingerichtet hatte, begann der Aufstieg des Faches in Deutschland durch die Gründung des Lehrstuhls in Würzburg im Jahr 1845. Dort lehrte Rudolf Virchow, als Recklinghausen 1852 sein Studium der Medizin beginnen konnte. Virchow wurde sein Lehrer und Mentor und war nicht unwesentlich daran beteiligt, dass Recklinghausen 1864 der erste Professor der Pathologie in Deutschland wurde, der dieses Fach bereits als Student kennen gelernt hatte.
Aus den zum Teil leidvollen Würzburger Erfahrungen mit den räumlichen Bedingungen pathologischer Arbeit entwickelte er ein Raumprogramm für Sektions-, Arbeits- und Sammlungsräume mit Hörsaal, das er in Straßburg in einem vorbildlichen Institut gemeinsam mit dem anatomischen Institut errichten lassen konnte. Zu dessen Eröffnung stellte von Recklinghausen 1877 fest, dass „wir nicht mehr in Zeiten leben, in welchen die Untersuchung menschlicher Leichen das Tageslicht zu scheuen hätte“. Recklinghausen stand zu dieser Zeit selbst seit Jahren im Zentrum seiner Wissenschaft, die er bewusst für die Erhöhung des kulturellen und wissenschaftlichen Prestiges des deutschen Kaiserreiches einsetzte. Danach richtete er seine „Arbeit für Kaiser und Reich“ im ehemals französischen Straßburg bewusst aus.
Das Gütersloher Museum zeigt teilweise mit Original-Leihgaben aus der Hand Recklinghausens aus dem Straßburger Institut für Pathologie und mit Unterstützung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité sowie des Instituts für Anatomie der Universität Münster beispielsweise Objekte zur Neurofibromatose als bekanntester der Recklinghausen-Krankheiten.
Die Gabe von Vitamin D
Auch Präparate zur Osteodystrophia fibrosa generalisata als zweitem „Morbus Recklinghausen“ sind zu studieren. Verwandt damit ist auch das Skelett einer Frau mit Osteodystrophia deformans, das um 1840 im Straßburger Institut einging und das auch Recklinghausen untersuchte.
Als Friedrich Daniel von Recklinghausen 1910 starb, vervollständigte sein Sohn Heinrich das Alterswerk über Rachitis und Osteomalazie. In ihm wurde aufgrund langer Untersuchungsreihen erstmals die Rachitis als kindliche Erscheinungsform der Osteomalazie beschrieben. Erst die Generation nach Recklinghausen konnte erkennen, dass Vitamin-D-Mangel die Krankheitsursache war. Seit 1939 wird die Gabe von Vitamin D bereits in der Säuglingsnahrung als Vorbeugung gegen die
Knochenerweichung eingesetzt. Heinrich Lakämper-Lührs

Abbildung aus Recklinghausens „Über die multiplen Fibrome der Haut und ihre Beziehung zu den multiplen Neuromen, Berlin, 1882“


Die Sonderausstellung „Forscher aus Gütersloh – Der Pathologe Friedrich Daniel von Recklinghausen“ ist bis zum 24. September außer Montag täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen können auch außerhalb dieser Öffnungszeiten stattfinden, Terminvereinbarungen für alle Führungen unter der Telefonnummer 0 52 41/2 66 85 mit dem Büro des Stadtmuseums Gütersloh (Träger: Heimatverein Gütersloh e.V., Kökerstraße 7–11 a, 33330 Gütersloh).

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