ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2000Gespräch mit der Barmer: Konsens hat Zukunft

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Gespräch mit der Barmer: Konsens hat Zukunft

Dtsch Arztebl 2000; 97(37): A-2337 / B-2023 / C-1876

Rieser, Sabine

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LNSLNS Neues Denken im Gesundheitswesen täte Not. Das befanden in der vergangenen Woche zwei, die es wissen müssen: Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, und Dr. med.
Eckart Fiedler, Vorstandsvorsitzender der Barmer. Sie analysierten in Berlin Schwächen und hoffnungsvolle Ansätze für die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV).
Handlungsbedarf ist vorhanden, mit großen Reformansätzen braucht man aber in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu rechnen. Darin waren sich Hoppe und Fiedler als Erstes einig. Die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin hatte diese Einschätzung vieler politischer Beobachter bei der Vorlage der aktuellen GKV-Zahlen bestätigt (siehe Bericht in diesem Heft).
Eine weitere Übereinstimmung: Die GKV leidet an einer Einnahmeschwäche. Das sehen bekanntlich nicht alle Kassenrepräsentanten so. Rein ökonomisch betrachtet, möge das Geld ja reichen, meinte Hoppe. Doch Unterversorgung sei im ambulanten wie im stationären Bereich inzwischen messbar.
Fiedler kritisierte die anhaltenden Verschiebebahnhöfe zulasten der GKV und erinnerte daran, dass in den letzten zehn Jahren zahlreiche Leistungen gekürzt oder abgeschafft worden seien, beispielsweise Sterbegeld, Krankengeld, Zahnersatzleistungen oder der Kran­ken­ver­siche­rungsschutz im Ausland. Er könne sich jedoch vorstellen, dass die gesetzlichen Krankenkassen für solche Segmente Zusatzversicherungen anböten, und zwar ohne Differenzierung nach Risikoklassen und ohne Gewinnerzielung.
Einigkeit bestand im Kern darin, dass die Fixierung der GKV auf Arbeitseinkommen ein Problem darstellt. Hoppe hatte bislang eine Beitragserhebung auf alle Einkommensarten als diskutable Lösung bezeichnet. Fiedler meinte jedoch, dass eine solche Ausdehnung der Beitragserhebung Probleme mit sich bringen würde. Erstens stelle sich dann die Frage nach dem Versichertenkreis und den Pflichtgrenzen der GKV – und damit den Wechslern zur PKV. Zweitens richteten sich auch andere Sozialversicherungsbeiträge im Kern nach dem Einkommen; auch Arbeitslosen- und Rentenversicherung wären betroffen. Drittens sei eine Funktion der Kasse als „Finanzamt“ problematisch.
Was aber kann die Selbstverwaltung tun? Hoppe setzt auf die Stärkung der Hausärzte, ein einheitliches Vergütungssystem ambulant-stationär und eine Förderung von Modellen der integrierten Versorgung. Fiedler sagte, er sehe keine Alternative zur solidarischen Finanzierung der GKV. Statt gesetzgeberischen Schnellschüssen wünschte er sich von der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Konsensgespräche. Auch hierin: kein Dissens mit Hoppe. Sabine Rieser
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