ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2000Kardiologie: Neue Definition von Herzinfarkt

AKTUELL: Akut

Kardiologie: Neue Definition von Herzinfarkt

Dtsch Arztebl 2000; 97(37): A-2341 / B-2025 / C-1878

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Europäische und amerikanische Kardiologen haben neue Richtlinien zum Herzinfarkt herausgegeben. Wie das American College of Cardiology (ACC) in einer Pressemitteilung schreibt, habe man sich zusammen mit Vertretern der European Society of Cardiology kürzlich in Frankreich auf eine Dreiteilung von akuten myokardialen Syndromen geeinigt. Neben der instabilen Angina und dem manifesten Herzinfarkt wird jetzt als dritte Entität die „non-ST-segment elevation myocardial infarction (NSTEMI)“ beschrieben. Dieser „kleine Infarkt“ liegt vor, wenn der Patient die typischen Beschwerden einer instabilen Angina hat (Stenokardien, im Unterschied zum großen Infarkt aber keine ST-Strecken-Hebung im EKG) und wenn zusätzlich die Kardiomarker Troponin I oder T angestiegen sind. Diese Marker seien in der Lage, Infarkte bereits unter einer Ausdehnung von einem Gramm Herzgewebe nachzuweisen.

Die neue Einteilung hat zwei Konsequenzen. Zum einen dürfte die Zahl der Infarktpatienten ansteigen. Dies dürfte nicht nur Epidemiologen Probleme bereiten, die alte und neue Daten zur Prävalenz nur noch bedingt vergleichen können. Auch für viele Patienten kann das „Stigma“, einen Herzinfarkt erlitten zu haben, Nachteile für die berufliche Karriere oder beim Abschluss von Lebensversicherungen haben. Deshalb solle nicht mehr einfach von einem Myokardinfarkt gesprochen werden, sondern von einer „koronaren Herzerkrankung mit akutem Myokadinfarkt“.

Zum anderen hat die Einteilung Einfluss auf die Behandlung. Eine Konsequenz zieht die ACC (diesmal offenbar ohne Verabredung mit den Europäern) bereits: Für Patienten mit NSTEMI wird eine Tripletherapie vorgeschlagen: erstens: Acetylsalicylsäure oder, wenn dies nicht vertragen wird, Clopidogrel beziehungsweise Ticlopidin; zweitens: einen Glycoprotein-IIb/IIIa-Inhibitor (dies wohl als Konsequenz der im vergangenen Jahr veröffentlichten
CAPTURE-Studie); drittens: Heparin oder ein niedermolekulares Heparin. Patienten, die nach dieser Behandlung weiterhin Beschwerden haben, sind als Hoch-Risiko-Patienten Kandidaten für eine Revaskularisation, also eine Ballondilatation beziehungsweise einen Stent. Die Richtlinien können in der Septemberausgabe des Journals of the American College of Cardiology nachgelesen werden (2000; 36: 959–969, 970–1062). Eine Zusammenfassung soll in Circulation erscheinen. Rüdiger Meyer
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