ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2000Biodegradierbare Materialien: Platzhalter, die sich in nichts auflösen

POLITIK: Medizinreport

Biodegradierbare Materialien: Platzhalter, die sich in nichts auflösen

Dtsch Arztebl 2000; 97(38): A-2437 / B-2081 / C-1949

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Chirurgische und orthopädische Patienten profitieren von neuen Fixationsmaterialien, da eine zweite Operation zu ihrer Entfernung entfällt.

Biodegradierbare Nahtmaterialien waren der Anfang. Jetzt halten resorbierbare Knochenstifte zur Fixierung von kleineren Knorpel-Knochen-Fragmenten und Interferenzschrauben mit programmierter Vergänglichkeit zur Fixierung von Kreuzband-Transplantaten Einzug in die Orthopädie. In Zukunft lassen sich diese „selbstauflösenden“ Bioimplantate möglicherweise noch verbessern, indem sie als „drug delivering systems“ etwa mit Wachstumsfaktoren ausgerüstet werden, um die Regeneration des Gewebes gezielt zu stimulieren.
Als das am besten untersuchte biodegradierbare Implantat bezeichnete Prof. Klaus Rehm (Köln) den Knochenfixationsstift Polypin®, der zur Befestigung von kleineren Knorpel-Knochen-Fragmenten bei Gelenkbrüchen besonders geeignet ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die Fixationsstelle geringen Belastungen und keinem starken Bandzug – also geringen dynamischen Kräften – ausgesetzt ist. Der Stift besteht aus einem Polymer der Milchsäure, bleibt je nach gewählter Stärke acht bis neun Monate stabil und wird dann langsam abgebaut, während der Knochen einwächst und den Platzhalter im Verlauf von zwei Jahren ersetzt. Bei einer Nachbeobachtungszeit von etwa drei Jahren habe man in einer Studie bei ellengelenknahen Speichenkopffrakturen in je rund 80 Fällen gleichwertige oder gar bessere Ergebnisse als bei Einsatz von Metallimplantaten gefunden, erläuterte Rehm. Generell entfällt dabei der zweite Eingriff zur Metallentfernung – einschließlich der damit verbundenen Arbeitsunfähigkeit, die in eine sozialökonomische Kostenrechnung mit eingehen muss. Der Stift kann bei allen gering belasteten Knochenbrüchen unter anderem in der Hand- und Fußchirurgie sowie bei der Osteochondrosis dissecans eingesetzt werden.
Herkömmliche „Bioschrauben“ zur Fixierung eines Kreuzband-Transplantates sind nicht ganz neu, aber wohl verbesserungsfähig, wie Dr. Ludwig Bös (Pforzheim) bei einem Symposium in Wiesbaden ausführte. Anders als die Vorläufermodelle, die mit über zwei Jahren eine lange Resorptionszeit aufweisen und teilweise Gelenkreizungen verursachen, wird die Polylactid-Interferenzschraube Sysorbä innerhalb eines Jahres vollständig resorbiert, Reizerscheinungen wurden nicht beobachtet. Dr. Renate Leinmüller

Der Knochenfixationsstift Polypin wird vom Körper vollständig abgebaut.
Foto: Sulzer Orthopedics

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