ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2000Der pulmonale Rundherd: Dignitätsbeurteilung durch CT

MEDIZIN: Diskussion

Der pulmonale Rundherd: Dignitätsbeurteilung durch CT

Dtsch Arztebl 2000; 97(38): A-2470 / B-2112 / C-1977

Vahlensieck, Martin

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Hans Hoffmann, Prof. Dr. med. Hendrik Dienemann in Heft 16/2000
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LNSLNS Zitat: „Der solitäre Lungenrundherd sollte ohne diagnostische Verzögerung operativ entfernt werden.“ Eine abwartende Haltung beim Nachweis eines Lungenrundherdes erlauben die Autoren nur, wenn ein radiologisch konstanter Befund mehrere Jahre zweifelsfrei dokumentiert und die Wahrscheinlichkeit einer malignen Raumforderung gering ist. Dabei werden computertomographische Kriterien für Herde unter 3 cm außer Acht gelassen, mit deren Hilfe das Vorliegen eines benignen Herdes als sicher angesehen werden kann und auch ohne entsprechenden identischen Vorbefund ein Abwarten rechtfertigt. Dazu zählen: zentrale Verkalkung (typisch für Histoplasmom oder Granulom), lameläre Verkalkung (Granulom), „popkornartige“ Verkalkungen (Hamartom), diffuse Verkalkung (Dichte größer 300 HU typisch für Granulom) und Komponenten mit fettäquivalenten Dichtewerten (Hamartom, Lipoid Pneumonie) (1). Weiterhin asymmetrische Verkalkungen oder kalkdichte Anteile bei Patienten ohne Tumorleiden, die gehäuft verkalkte, muzinproduzierende oder eingeblutete Metastasen setzen (Osteosarkom, Chondrosarkom, muzinproduzierendes Colonkarzinom, Ovarialkarzinom, Brustkarzinom, Chorionkarzinom, malignes Melanom), nicht zu verwechseln mit dystrophen amorphen Verkalkungen bei großen Bronchialkarzinomen. Ferner gehören dazu keine oder weniger als 15 HU Kontrastmittelaufnahme, apikale Lokalisation mit Verkalkung (Tbc), zu- und abführende Gefäße (Gefäßmalformation). Es gibt aber auch für Rundherde größer als 3 cm computertomographische Benignitätskriterien wie das „Kometenschweifzeichen“ (Rundatelektase) oder das „Luftsichelzeichen“ (Myzetom) (3). Typische computertomographische Malignitätszeichen sind etwa die Corona radiata oder eine Infiltration benachbarter Organe. Der Stellenwert der computertomographischen Abklärung und Dignitätsbeurteilung des Lungenrundherdes gilt somit als sehr hoch. Bei differenzierter Anwendung solcher Kriterien sollte es möglich sein, operative Eingriffe bei potenziell konservativ zu behandelnden benignen Läsionen zu reduzieren. Der interdisziplinäre Austausch zwischen Operateur, Pulmologen und pulmologisch geschultem Radiologen ist hier wichtig. Bei den technischen Anforderungen an das Spiral-CT werden drei Parameter angegeben, und die betragen üblicherweise 5 bis 10 mm Kollimationsdicke, 8 bis 10 mm Tischvorschub pro Röhrenrotation (daraus ergibt sich ein „Pitchfaktor“ von 1 bis 1,5) und 4 bis 7 mm Rekonstruktionsinkrement zur Übersicht, im Zweifelsfall ergänzt durch dünnere Schichten (1 bis 2 mm). Die Beurteilung erfolgt meist an Hardcopies sowohl im Lungenfenster als auch im mediastinalen Weichteilfenster (2). Die Autoren favorisieren zum sicheren Ausschluss von Lebermetastasen die Abdomensonographie. Beim Vergleich der Sensitivitäten der verschiedenen Nachweismethoden von Lebermetastasen liegt der Abdomenultraschall nicht auf Platz eins. Vor einem kurativ geplanten operativen Eingriff an der Lunge sollte mindestens die Spiral-CT in der portal-venösen Kontrastmittelphase durchgeführt werden. Vor Operationen von Lebermetastasen wird sogar die portal-venös verstärkte Angio-CT und die „Endorem“-verstärkte MRT inklusive intraoperativem Ultraschall gefordert. Literatur 1. Fraser R S, Pare J P: Synopsis of diseases of the chest. Philadelphia: Saunders 1994. 2. Schaefer-Prokop C, Galanski M: Lunge und Tracheobronchialsystem. In: Galanski M, Prokop M, (eds): Ganzkörpercomputertomographie. Stuttgart: Thieme 1998. 3. Sagal S, Slone M: Lung. In: Lee J, Sagal S, Stanley R, Heiken J, eds.: Computed body tomography. Lippincott 1998. Priv.-Doz. Dr. med. Martin Vahlensieck Wesselheideweg 15, 53123 Bonn

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