ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2000Mütterliches Rauchen erhöht pränatale PCB- und HCB-Belastung

MEDIZIN: Referiert

Mütterliches Rauchen erhöht pränatale PCB- und HCB-Belastung

Dtsch Arztebl 2000; 97(38): A-2472 / B-2114 / C-1979

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LNSLNS Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Hexachlorbenzol (HCB) sind ubiquitär verbreitetete, karzinogene und teratogene Substanzen. Insbesondere die gleichzeitige Applikation von diesen Organochlorverbindungen mit tabakspezifischen Karzinogenen zeigte im Tierexperiment tumorpromovierende Effekte. Während die transplazentare Übertragung tabakspezifischer Karzinogene durch mütterliches Rauchen vor kurzem nachgewiesen wurde, war bislang nichts über die dadurch entstehende pränatale Belastung mit PCB und HCB bekannt. Bei 80 reifen Neugeborenen wurde vor der ersten oralen Nahrungsaufnahme die Serumkonzentrationen der PCB-Kongenere 28, 52, 101, 138, 153 und 180 sowie von HCB mittels kapillarer Gaschromatographie mit ECD-(Electron Capture Detection-)Detektion untersucht. Für die statistische Auswertung der Daten wurden drei Gruppen gebildet: Aktiv rauchende Mütter (n = 12), passiv rauchende Mütter (n = 33) und Nichtraucherfamilien (n = 35). Die Kinder aktiv rauchender Mütter wiesen die höchsten PCB- und HCB-Konzentrationen auf, gefolgt von den Kindern passiv rauchender und zuletzt, mit den niedrigsten Konzentrationen, den Kindern nichtrauchender Mütter. Diese Unterschiede waren für PCB 138 die Summe der drei hö- her chlorierten PCB-Kongenere 138, 153 und 180 sowie für HCB im Wilcoxon-Test für unabhängige Stichproben statistisch signifikant (p > 0,01). Mütterliches Aktiv- und Passivrauchen während der Schwangerschaft, so die Autoren, erhöht signifikant die pränatale Belastung mit PCB und HCB. Gleichzeitig werden tabakspezifische Karzinogene auf den Fetus übertragen. Die tumorpromovierende Wirkung der gemeinsamen Applikation dieser Substanzen ist im Tierexperiment belegt. Dies könnte bislang inkonstante epidemiologische Untersuchungsergebnisse hinsichtlich mütterlichem Rauchen während der Schwangerschaft und der Entwicklung kindlicher Karzinome im späteren Leben erklären. lcm Lackmann GM, Angerer J, Töllner U: Parental smoking and neonatal serum levels of polychlorinated biphenyls and hexachlorobenzene. Pediatr Res 2000; 47: 598– 601. Priv.-Doz. Dr. med. G.-M. Lackmann, Zentrum für Kinderheilkunde, Heinrich-Heine-Universität, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf.

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