ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2000Einkommensstruktur der Ärzte: Budgetierung drückt auf Jahresüberschuss

VARIA: Wirtschaft

Einkommensstruktur der Ärzte: Budgetierung drückt auf Jahresüberschuss

Dtsch Arztebl 2000; 97(38): A-2475 / B-2119

Clade, Harald

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LNSLNS Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung analysiert Kostenstrukturen in Arztpraxen.

Die wirtschaftliche Situation der niedergelassenen Ärzte zwischen 1993 und 1998 war einerseits durch die sektorale Budgetierung und Ausgabendeckelung im Gesundheitswesen geprägt. Andererseits konnten nur noch wenige Rationalisierungsreserven aufgrund organisatorischer Änderungen und Sparanstrengungen im Personal- und Sachkostenbereich erzielt werden. Die Einkommenssituation der Ärzte hat sich mithin kaum verändert. Dies wird durch die vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Köln, vorgelegte „Kostenstrukturanalyse“ in der Arztpraxis belegt, bei der die Einkommenssituation je Arzt in den Jahren 1993 bis 1995 mit der Periode 1996 bis 1998 verglichen wurde.
Relative Einkommensverluste
In den Praxen der westdeutschen Ärzte stieg der zu versteuernde Überschuss aus Praxis-Umsätzen je Arzt von 185 788 DM auf 194 739 DM (+1,6 Prozent). Bei einer jährlichen Inflationsrate in Höhe von zwei Prozent ergibt sich per saldo ein retardierendes beziehungsweise sinkendes Einkommensniveau der Ärzte. Der Anteil der Betriebsausgaben an den Gesamteinnahmen je Arzt sank gegenüber der Referenzperiode (1993/1995) um einen Prozentpunkt auf 59,3 Prozent (1996 bis 1998). Die Gesamteinnahmen stiegen von 467 752 DM auf 478 149 DM. Differenziert man die Gesamteinnahmen aus ärztlicher Tätigkeit nach Einnahmen aus vertragsärztlicher Tätigkeit (KV-Umsätze) und privatärztlichen beziehungsweise sonstigen Einnahmen, so ergibt sich folgendes Bild:
Die KV-Umsätze je Arzt legten um 0,1 Prozent auf 376 652 DM zu. Damit blieb der Durchschnittsarzt erheblich unter den vergleichbaren Steigerungsraten der Löhne und Gehälter der abhängig Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft (+2,2 Prozent). Zugleich muss berücksichtigt werden: Seit etwa acht Jahren steigt die Zahl der niedergelassenen Ärzte kontinuierlich – bei nur geringfügig weiter steigenden Fallzahlen. Die nur geringe Zunahme der KV-Erlöse je Arzt ist entsprechend auf eine Abnahme der Fallwerte zurückzuführen.
Die rückläufigen Einkommenszuwächse im Bereich der vertragsärztlichen Tätigkeit konnten nur teilweise durch weiter steigende Einnahmen aus privatärztlichen und sonstigen Tätigkeiten kompensiert werden. Die durchschnittlichen „sonstigen Einnahmen“ beliefen sich auf 101 497 DM je Arzt bei einer jährlichen Wachstumsrate von 3,2 Prozent. Kaum verändert haben sich die Betriebsausgaben: Sie stiegen jährlich um 0,2 Prozent (in drei Jahren um 0,5 Prozent) auf durchschnittlich 283 411 DM. Während die Personalausgaben um 0,7 Prozent pro Jahr (insgesamt +2,2 Prozent) auf 128 271 DM zulegten, sanken die „sonstigen Ausgaben“ um jährlich 0,3 Prozent (insgesamt: –0,9 Prozent) auf 155 140 DM.
Wie in den Vorjahren unterschied sich die Einkommensentwicklung der Allgemeinmediziner (Fachärzte für Allgemeinmedizin, Praktische Ärzte) von der der Fach- und Gebietsärzte:
Die Allgemeinärzte erzielten in der Berichtsperiode 1996 bis 1998 eine leichte Einnahmenverbesserung. Jährlich betrug die Veränderungsrate bei der Überschussentwicklung von Allgemeinärzten 3,0 Prozent. Der Mittelwert des zu versteuernden Überschusses stieg von 152 313 DM in den Jahren 1993 bis 1995 auf 166 613 DM in den Jahren 1996 bis 1998 (+9,4 Prozent). Die jährliche Zunahme der Gesamteinnahmen bei den Allgemeinmedizinern von 361 263 DM auf 380 917 DM (+1,8 Prozent je Jahr) unterscheidet sich mithin von der konstanten Einnahmenentwicklung in allen Arztgruppen (+0,7 Prozent). Dies beruht zum einen auf einer leichten Erhöhung der KV-Umsätze (+1,4 Prozent), zum anderen auf einer jährlich um 3,7 Prozent gestiegenen Summe der „sonstigen Einnahmen“. Die durchschnittliche Kostensteigerung von 0,8 Prozent je Jahr wird nur geringfügig auf die Zunahme bei den „sonstigen Ausgaben“ (+0,1 Prozent) zurückgeführt. Vielmehr resultiert diese Entwicklung aus den gestiegenen Personalausgaben (+1,7 Prozent). Der Anteil der Betriebsausgaben an den Gesamteinnahmen sank um 1,5 Prozentpunkte auf 56,3 Prozent. Damit liegt er auf einem niedrigeren Niveau als bei allen Arztgruppen.
Die Fachärzte erwirtschafteten im Zeitraum von 1993 bis 1998 leicht gestiegene Überschüsse (+1,2 Prozent je Jahr). Der Überschuss-Mittelwert stieg von 204 433 DM auf 211 947 DM. Die negative Entwicklung im Vertragsarztbereich (20,1 Prozent) wurde durch die zunehmenden „sonstigen Einnahmen“ überkompensiert (+5,9 Prozent jährlich). Die Situation bei den Gesamteinnahmen blieb bei den Fachärzten im Vergleich zu der vorhergehenden Periode nahezu unverändert. In den Jahren 1996 bis 1998 stieg der Wert von 529 027 DM auf 538 656 DM. Dieser Trend bei den Gesamteinnahmen resultiert aus einem jährlichen Rückgang bei den Honorarumsätzen um 0,7 Prozent, andererseits sind die „sonstigen Einnahmen“ jährlich um 5,2 Prozent gewachsen. Der Anteil der „sonstigen Einnahmen“ erreichte bei allen Facharztgruppen in der Periode 1996/98 eine Quote von 23,3 Prozent. Die Betriebsausgaben bei den Fachärzten stiegen jährlich um 0,2 Prozent und erreichten ein Volumen von 326 710 DM je Arzt. Die Betriebsausgabenreduktion resultierte aus der leicht steigenden Personalausgabensumme (+0,6 Prozent) und aus dem Rückgang bei den „sonstigen Ausgaben“ um 0,1 Prozent.
Wie bisher schon differieren die Überschusswerte je nach Facharztgruppe deutlich. Überdurchschnittliche Werte konnten die Orthopäden (236 559 DM) und die HNO-Ärzte (233 805 DM) verzeichnen. Dagegen erzielten die Allgemeinärzte (166 613 DM) und die Chirurgen (182 569 DM) vergleichsweise geringere Überschüsse (siehe Tabelle).
Der Durchschnittsumsatz (einschließlich Privatumsatz) der Praxen in den neuen Bundesländern lag 1998 bei 387 952 DM. Die Betriebsausgaben beliefen sich auf 222 171 DM. Dies führt zu einem durchschnittlichen Überschuss in Höhe von 165 781 DM je Arzt. Bei den Allgemeinärzten stehen einem Umsatz von 303 703 DM Betriebsausgaben in Höhe von 162 339 DM gegenüber. Allgemeinärzte hatten 1998 einen Durchschnittsüberschuss in Höhe von 141 364 DM. Der durchschnittliche Anteil der Betriebsausgaben am Gesamtumsatz in Ostdeutschland betrug 57,3 Prozent (in Westdeutschland 59,3 Prozent). Mithin liegt das durchschnittliche Niveau der Betriebsausgaben in Ostdeutschland bei 78,4 Prozent der Kostenbelastung in westdeutschen Praxen. Das durchschnittliche Niveau der Umsätze liegt bei 81,1 Prozent der westdeutschen Umsätze, und der durchschnittliche Überschuss liegt in Ostdeutschland auf einem Level von 85,1 Prozent der westdeutschen Überschüsse. Dr. rer. pol. Harald Clade


´Tabelle ´
Auswertung nach Fachgruppen – alte Bundesländer (1993/95–1996/98)
Gesamteinnahmen KV-Honorareinnahmen Betriebsausgaben Überschuss Betriebsausgaben
Fachgruppe absolut (DM) Veränderung absolut (DM) Veränderung absolut (DM) Veränderung aus vertrags- aus sonstiger Veränderung Anteil an den
insgesamt insgesamt insgesamt ärztlicher ärztlicher insgesamt Gesamteinnahmen
Tätigkeit Tätigkeit

1996/98 pro Jahr (%) 1996/98 Pro Jahr (%) 1996/98 pro Jahr (%) 1996/98 1996/98 pro Jahr (%) (%)
Alle Ärzte 478 149 0,7 376 652 0,1 283 411 0,2 153 402 41 337 1,6 59,3
Allgemeinärzte 380 917 1,8 317 767 1,4 214 305 0,8 138 991 27 622 3,0 56,3
Alle Fachärzte 538 656 0,6 412 923 –0,7 326 710 0,2 162 474 49 473 1,2 60,7
Augenärzte 520 438 –0,5 376 583 –1,2 311 958 2,1 150 854 57 626 –4,0 59,9
Chirurgen 369 664 0,7 390 050 1,0 387 095 0,5 125 005 57 564 1,2 68,0
Gynäkologen 481 266 –0,9 379 451 –2,0 284 288 0,2 155 306 41 672 –2,4 59,1
HNO-Ärzte 556 198 –1,1 409 338 –2,1 322 393 1,0 172 070 61 735 –3,8 58,0
Hautärzte 497 345 –0,3 356 044 –2,9 308 240 1,3 135 379 53 727 –2,6 62,0
Internisten 551 663 2,8 429 759 1,8 326 448 1,7 175 448 49 767 4,5 59,2
Kinderärzte 441 452 4,2 368 828 3,9 240 385 2,0 167 989 33 078 7,0 54,5
Nervenärzte 393 982 0,5 316 471 0,2 210 033 0,8 147 760 36 190 0,2 53,3
Orthopäden 654 095 –2,7 491 330 –3,7 417 536 –3,1 177 693 58 865 –2,0 63,8
Radiologen 1 087 980 –0,9 831 307 –1,5 874 644 0,5 163 006 50 329 –6,2 80,4
Urologen 533 474 –0,8 402 977 –2,2 337 091 1,3 148 344 48 039 –4,0 63,2
Quelle: Kostenstrukturanalyse in der Arztpraxis 1998, Hrsg.: Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI); Köln, 2000
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