ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2000Kassenärzte: Peinlich transparent

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Kassenärzte: Peinlich transparent

Dtsch Arztebl 2000; 97(39): A-2485 / B-2125 / C-1881

Maus, Josef

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LNSLNS Dass die niedergelassenen Ärzte mit unschöner Regelmäßigkeit immer dann als „Abrechnungsbetrüger“ am Pranger stehen, wenn die Politik neue (Gesundheits-)Reformen plant oder mal wieder Verhandlungen mit den Krankenkassen anstehen, ist keine neue Erfahrung. Mit dem systematisch verpassten Image der „frei niedergelassenen Abzocker“ lässt sich halt trefflich Stimmung machen. Der einzelne Arzt, das weiß man, genießt ein extrem hohes gesellschaftliches Ansehen. Die Spezies insgesamt kommt weit weniger gut weg.
Während sich die einen über die gezielten und undifferenzierten Verunglimpfungen ärgern, nehmen andere die immer wiederkehrenden Kampagnen fast schon resignativ zur Kenntnis. Die ärztlichen Standesvertreter halten in der Regel zwar dagegen – zumeist aber ohne nachhaltige Wirkung. Soweit die traurige Routine.
Ungewöhnlich – weil mit einer anderen Dimension versehen – war allerdings der Vorstoß des Bundeskriminalamts (BKA). Die Wiesbadener Kriminalisten veranstalteten kürzlich eine groß angelegte Tagung zum Thema „Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen“ (dazu Deutsches Ärzteblatt, Heft 37/2000), bei dem es nahezu ausschließlich um die ambulante Versorgung ging. Von der „Kontrolle der Kontrolleure“ war die Rede. Gemeint sind die Kassenärztlichen Vereinigungen, bei denen ein nachlässiges Prüfverhalten vermutet wird.
Ungewöhnlich – weil mit einer anderen Dimension versehen – fiel die Reaktion von Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm auf die BKA-Initiative aus. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nutzte die diesjährige Haupt­ver­samm­lung des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Deutschlands in Ulm, um laut nachzudenken. „Wie wäre es eigentlich“, sinnierte Richter-Reichhelm, „wenn wir allen unseren Kassenpatienten künftig gleich nach der Behandlung einen Computer-Ausdruck aller erbrachten Leistungen mit nach Hause geben würden?“ Verblüfftes Schweigen bei den Hausärzten. „Und wie wäre es“, sagte der KBV-Vorsitzende weiter, „wenn wir die aktuellen Kassenhonorare gleich mit draufschreiben würden?“ Heftiger Applaus bei den Hausärzten. Ja, wie wäre das eigentlich? Es wäre transparent für jedermann und ziemlich peinlich für die gesetzlichen Krankenkassen. Josef Maus
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