ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Vorhof-Defibrillator in Deutschland erstmals implantiert

POLITIK: Medizinreport

Vorhof-Defibrillator in Deutschland erstmals implantiert

Gabler-Sandberger, Elisabeth

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LNSLNS Zur Behandlung des medikamentös nicht kontrollierbaren, rezidivierenden Vorhofflimmerns wurde von der Firma InControl Inc. ein implantierbarer Defibrillator entwickelt, der erstmals in Deutschland durch Prof. Bernd Lüderitz (Universität Bonn) bei zwei Patienten angewendet wurde. In beiden Fällen handelte es sich um symptomatisches Vorhofflimmern, das weder medikamentös noch durch externe Kardioversion unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Wie Lüderitz auf der 10. Tagung Cardiostim in Nizza mitteilte, gelang es durch diese Maßnahme, einen Sinusrhythmus herzustellen. Die Episoden von paroxysmalem Vorhofflimmern wurden im EKG-Speicher des Gerätes automatisch aufgefangen. Den Patienten geht es seit der Implantation gut. Ähnliche Erfahrungen wurden von englischen, französischen, amerikanischen und japanischen Kardiologen berichtet. Weltweit wurden bisher etwa ein Dutzend Implantationen vorgenommen.
Der 75 Gramm schwere MetrixTM 3000 wird wie konventionelle Herzschrittmacher in der Pectoralis-Region implantiert. Der Defibrillator hat drei Elektroden, von denen eine in die Spitze des rechten Ventrikels, eine in die antero-laterale Wand des rechten Vorhofs und die dritte im Bereich des Sinus coronarius implantiert wird. Das Gerät ist außer der Defibrillatorfunktion mit einer antibradykarden Schrittmacherstimulation zur Aufrechterhaltung einer regelmäßigen, normofrequenten Herzaktion nach Kardioversion ausgerüstet. Durch den Sensor aufgenommene EKG werden gespeichert und können abgerufen werden.
Die Defibrillation erfolgt mit niedrig energetischen Stromstößen, die den Patienten relativ wenig belasten. Unter den zahlreichen Patienten mit Vorhofflimmern verschiedenster Ätiologien kommen laut Lüderitz nur die Patienten für eine Vorhof-Defibrillator-Implantation in Frage, bei denen eine konventionelle Therapie versagt hat und bei denen aufgrund ihrer Symptomatik, zum Beispiel der Herzdekompensation und der Emboliegefahr, Therapiebedarf besteht. Dr. Elisabeth Gabler-Sandberger

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