ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2000Medizin und Medien: Wichtig ist professioneller Umgang

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Medizin und Medien: Wichtig ist professioneller Umgang

Dtsch Arztebl 2000; 97(39): A-2519 / B-2151 / C-1905

Gerst, Thomas

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LNSLNS Ärzte finden sich von den Medien häufig ungerecht behandelt.
Für die gescholtenen Redakteure stellt sich der Sachverhalt dagegen anders dar.

Der Widerspruch ist nicht so einfach aufzulösen: Auf der Bewertungsskala der Berufe liegen die Ärzte weiterhin mit großem Abstand vorne, und die meisten Patienten fühlen sich bei ihrem Arzt sehr gut aufgehoben. Dagegen steht das negative Bild des Mediziners, wie es häufig in den Medien gezeichnet wird – dies wiederum im Gegensatz zu den ärztlichen Lichtgestalten der TV-Serien. Wie kommt eine Berufsgruppe zu einem solchen Bild in der Öffentlichkeit? Diese Frage stellten sich die Teilnehmer des Seminars „Das Bild des Arztes in der Öffentlichkeit“, organisiert durch den Vorstandsbeauftragten für die Öffentlichkeitsarbeit des Berufsverbandes Deutscher Pathologen, Prof. Dr. med. Ernst-Wilhelm Schwarze, in den Städtischen Kliniken Dortmund.
Ein wenig leichtfertig sei die Ansicht, die Medien könnten allein ein bestimmtes Bild in der Öffentlichkeit erzeugen, meinte der Dortmunder Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Pätzold. Das Dreiecksverhältnis zwischen Ärzten, Patienten und Medien sei nicht rational begründet. Eine Verbesserung der von Ärzten häufig kritisierten Berichterstattung sei nur zu erwarten, wenn es zu einem Dialog der beiden Berufsgruppen kommt. Dieser Dialog ist aber nicht einfach in Gang zu setzen, denn – so die Meinung einiger Diskussionsteilnehmer – die Ärzte seien in der Regel wenig versiert in öffentlicher Kommunikation und wüssten vieles nicht richtig einzuschätzen. Journalisten dagegen seien trainiert, misstrauisch zu sein und zu entscheiden zwischen dem, was dem Informationsbedürfnis der Leser entspricht, und zweckgerichteten lancierten Beiträgen. Am Beispiel des vor kurzem in Presse, Funk und Fernsehen präsentierten „Skandals“ um die verweigerte Herztransplantation für eine Türkin in Bad Oeynhausen wurde aufgezeigt, wie wichtig eine funktionierende Kommunikation zwischen Medizin und Medien sein kann. Entscheidend für die Ärzte sei es, schon in guten Zeiten eine vertrauensvolle Kommunikation zu Journalisten aufzubauen, sodass einer Redaktion bei aktuellen Vorkommnissen, auf die schnell reagiert werden muss, die richtige Einschätzung möglich ist.
Dr. med. Silvia Schattenfroh, Pressesprecherin der Charité Berlin, zeigte die Bedeutung professioneller Öffentlichkeitsarbeit auf. Im Gegensatz zu den meisten anderen Universitätskliniken, die ihre Außendarstellung über die normale Pressestelle der Universität abwickeln, leistet sich die Charité eine eigene Pressesprecherin. Schattenfroh arbeitet nach der Devise: „Es genügt nicht, dass wir gut sind. Die anderen müssen es auch wissen.“ Ihre Öffentlichkeitsarbeit, das heißt zum Beispiel die allgemein verständliche Präsentation von Forschungsergebnissen aus der Charité, habe direkte Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Universitätsklinik. Im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen in den USA werde der Public Relations-Bereich allerdings auch an der Charité noch krass vernachlässigt. So seien allein an der Johns Hopkins University in Baltimore 25 Mitarbeiter in diesem Bereich tätig.
Hohe Medienpräsenz
Schlechte Noten für die Öffentlichkeitsarbeit der ärztlichen Körperschaften verteilte Helmut Laschet von der „Ärzte-Zeitung“. Gerade die Kassenärztlichen Vereinigungen hätten den Spagat zwischen der Erwartungshaltung der eigenen Klientel sowie der Akzeptanz in Öffentlichkeit und Politik nicht bewältigt. Es gebe viele Beispiele für das irrationale Schüren von Ängsten vor den Budgets; hier sei durch Kommunikation Panik erzeugt worden.
Bei näherem Hinsehen gar nicht so schlecht sei die Darstellung der Medizin in den Medien, urteilte die Wissenschafts- und Medizinjournalistin Barbara Ritzert. Es gebe eine hohe Medienpräsenz der Ärzte bei einer großen Bandbreite der Darstellung. So seien etwa 30 Prozent aller Spezialmagazine im Fernsehen medizinischen Themen gewidmet. Nach dem Motto „Bad news are good news“ werde allerdings häufig über das berichtet, was nicht in Ordnung ist. Auch Ritzert befand, dass die Ärzte ihre Kommunikations- und Medienkompetenz verbessern sollten. Sie müssten lernen, Journalisten als gleichberechtigte Partner im Kommunikationsprozess zu akzeptieren. Thomas Gerst
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