ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Hochschulmedizin: Für zukunftsorientierte Strukturen

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Hochschulmedizin: Für zukunftsorientierte Strukturen

Clade, Harald

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LNSLNS Der jüngste (99.) Deutsche Ärztetag 1996 in Köln plädierte für eine stärkere Ausrichtung des Medizinstudiums an den Erfordernissen der praktischen Medizin und der ärztlichen Berufsausübung. Auch die Fakultäten und Universitätskliniken müßten sich den großen Herausforderungen stellen. Besondere Bedeutung habe die Qualitätssicherung in der Lehre. Die Medizinischen Fakultäten seien besonders verpflichtet, den medizinischen Fortschritt voranzubringen, die Forschung zu vertreten und deren Ergebnisse in die Krankenversorgung einzubringen. Damit die Fakultäten und Uniklinika ihre zentralen Aufgaben auch in Zukunft erfüllen können, seien eine "Optimierung" und "Effizienzsteigerung" erforderlich. Die Hochschulmedizin müsse allerdings eine öffentliche Aufgabe bleiben. Der Ärztetag umriß die Ziele: Schaffung neuer effizienter Strukturen in einer erweiterten Medizinischen Fakultät, die die Aufgaben in Lehre, Forschung und umfassender Krankenversorgung integriert wahrnimmt. Die Eigenständigkeit der Fakultäten und die bisher unumstrittene Funktion der Universitätskliniken dürften auch bei geänderten Aufgabenschwerpunkten und angespannten Finanzierungskonditionen nicht angetastet werden. Auch die Krankenversorgungsleistungen müßten ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich gestaltet werden. Eine in einzelnen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz angestrebte Trennung der Zuständigkeiten für Forschung und Lehre einerseits und der Krankenversorgung andererseits sei kontraproduktiv. Zwar sei es notwendig, die drei Funktionsbereiche finanzierungstechnisch zu trennen und eine kalkulierbare Budgetverantwortung herbeizuführen. Jedoch müßten die Bereiche personell eng miteinander verbunden bleiben, so der Ärztetag.
Die Aufgaben der Krankenversorgung müßten kosten- und verursachergerecht den Kostenträgern zugerechnet werden. Die von den Ländern zu finanzierenden Forschung und Lehre dürften bei enger werdenden finanziellen Ressourcen der Krankenkassen nicht dazu eingespannt werden, die Krankenhausversorgung zu subventionieren.
Die überwiegend hierarchisch aufgebauten Leitungsstrukturen der Universitätsklinika müßten überwunden werden. Die institutionellen Hierarchien müßten durch funktionelle ersetzt werden. Der Ärztetag plädiert für die Zugehörigkeit des gesamten Ärztlichen Dienstes eines Universitätsklinikums zur Medizinischen Fakultät ebenso wie für die Personalunion zwischen den Tätigkeiten des Arztes, des Forschers und Lehrers. An die Wissenschaftsministerien und die Hochschulen appellierte der Ärztetag, Mittel und Wege zu finden, um die Lehrfähigkeit gegenüber der vielfach lukrativeren Tätigkeit in Forschung und Krankenversorgung aufzuwerten. Das Liquidationsrecht müsse in der ärztlichen Hand bleiben, dürfe nicht durch die vom Träger erhobene Pauschalvergütung ersetzt werden. Die Berechtigung zur Liquidation für ärztliche Leistungen müsse demjenigen Facharzt zustehen, der die Leistung tatsächlich erbringt. Auf gesetzlicher Basis müsse garantiert werden, daß ärztliche Mitarbeiter und akademische Mitarbeiter ohne eigene Liquidationsberechtigung an den Honoraren entsprechend ihrer Beteiligung an der Leistungserbringung partizipieren. Mehr als bisher müßten geeignete Krankenhäuser und akademische Lehrkrankenhäuser außerhalb des eigentlichen Universitätsbetriebes in Forschung und Lehre einbezogen werden. HC
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