ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2000Finanzhaie (III): Gefährliche Grauzonen

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Finanzhaie (III): Gefährliche Grauzonen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Warum der so genannte „graue Kapitalmarkt“ grau heißt, ist den meisten Leuten nicht geläufig, mir übrigens auch nicht. Außer dem Merksatz, dass des Nachts alle Katzen grau seien, was die Tigerchen etwa nicht als Betrüger abstempelt, bleibt nur die Vermutung, dass damit der Begriff „Grauzone“ assoziiert wird, was vermutlich die Sache doch ganz gut trifft. Immerhin tummeln sich in diesem Segment eben genau die Anlageprodukte, von denen der Mensch nicht weiß, ob sie was taugen oder nicht.
Nicht immer ist der Fall so klar, wie bei der American- British Insurance Ltd. Unter diesem Namen, aber auch mit leichten Namensabweichungen wie „Company“ statt „Ltd“. oder „British-American Insurance Company“ bietet das Unternehmen unter anderem Lebensversicherungen sowohl über Vermittler als auch über das Internet an.
Die dürfen das aber gar nicht, weil sie unerlaubte Geschäfte betreiben, erklärte jüngst das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen in Berlin. Die Gesellschaft betreibe den Abschluss von Lebensversicherungsverträgen, den Verkauf von Fondsanteilen an einem „Cuba Fonds“ sowie Finanzierungsgeschäfte in verschiedenen Währungen.
In Deutschland ist die Firma aber gar nicht zum Vertrieb solcher Produkte zugelassen, sagt die Aufsichtsbehörde. Möglicherweise han-
delt es sich auch bloß um eine Briefkastenfirma mit dem einzigen Geschäftszweck: mög-lichst vielen unerfahrenen Anlegern gutes Geld aus der Tasche zu ziehen.
Ob es sich bei der PCC, der Petro Carbo Chem GmbH in Duisburg, um ein seriöses Unternehmen handele, wurde ich dieser Tage gefragt. Die PCC sei eine international tätige Handelsgesellschaft mit Schwerpunkt Rohstoffe. Bei den Duisburgern kann, wer will, attraktive Anleihen mit einer jährlichen Verzinsung von 6,5 Prozent erwerben. Das ist wirklich nicht übel, besonders unter Berücksichtigung der kurzen Laufzeit bis 1. Oktober 2003.
Wer sich darauf einlässt, muss aber wissen, dass die Anlage weiß Gott nicht durch einen Einlagensicherungsfonds abgedeckt ist. Im Konkursfall sähe der Sparer mit Sicherheit nichts mehr von seinem Geld.
So ist das halt im grauen Kapitalmarkt. Die Grauzonen zwischen „gerade noch akzeptabel“ und „keinesfalls investieren“ sind immens. Da hilft nur das genaue Studium der Anlageprospekte weiter.
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