ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2000Modellprojekt: Naturheilkunde im Rahmen stationärer Akutversorgung

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Modellprojekt: Naturheilkunde im Rahmen stationärer Akutversorgung

Matthiessen, Peter F.; Ostermann, Thomas

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LNSLNS Die Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilverfahren werden in Blankenstein wissenschaftlich evaluiert.

Zur Naturheilkunde werden die fünf Säulen der Hydro-, Bewegungs-, Ernährungs-, Phyto- und Ordnungstherapie gerechnet. Die Bezeichnung „Naturheilverfahren“ wird allerdings häufig in unkritischer Weise synonym mit den Begriffen „Erfahrungsmedizin“, „Erfahrungsheilkunde“ oder „Alternativmedizin“ verwandt. Solche Pauschalisierungen haben dazu geführt, dass seit langem bewährte Naturheilverfahren mit fragwürdigen „alternativmedizinischen Praktiken“ gleichgesetzt und pauschal als „parawissenschaftliche Außenseitermedizin“ eingestuft wurden.
Zur Überprüfung der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilverfahren in der stationären Akutversorgung wurde im Januar 1997 eine Modellabteilung für Naturheilkunde am Katholischen Krankenhaus St. Elisabeth in Blankenstein eingerichtet, die vom Land Nordrhein-Westfalen und den Krankenkassen gefördert und seit dem 1. Juli 1999 für drei Jahre wissenschaftlich begleitet wird.
Für die Akzeptanz bei den Vertretern der wissenschaftlich etablierten Medizin und den Kostenträgern ist es unerlässlich, dass Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität naturheilkundlicher Verfahren transparent dargestellt werden. Im Hinblick auf eine Erprobung der Zukunftsfähigkeit naturheilkundlicher Ansätze auch in der akut-stationären Krankenversorgung wurden vier Tracerdiagnosegruppen ausgewählt, auf die sich die wissenschaftliche Begleitung in den nächsten drei Jahren fokussieren wird. Diese sind:
c Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises,
c chronisch-bronchiale Erkrankungen,
c allergisch bedingte Beschwerden,
c Stoffwechselerkrankungen.
Für die wissenschaftliche Begleitung lassen sich unter anderem folgende Fragestellungen ableiten:
1. Durch welche demographischen Merkmale sind Patienten ausgezeichnet, die Naturheilverfahren in Anspruch nehmen?
2. Welche Krankheitsbilder und Schweregrade erweisen sich als prioritäre Indikationen für eine Behandlung mit Naturheilverfahren?
3. Wie werden die Behandlungsergebnisse einer stationären Behandlung mit Naturheilverfahren durch den Patienten und den niedergelassenen Arzt beurteilt?
4. Kostenvergleich mit konventioneller stationärer Behandlung.
5. Erfüllen die vom Krankenhaus eingeleiteten naturheilkundlichen Maßnahmen die Anforderungen an Qualität und Wirksamkeit entsprechend dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse?
Zum Zeitpunkt der Aufnahme werden neben einer soziodemografischen und gesundheitlichen Statuserfassung des Patienten unabhängig voneinander sowohl durch den Patienten, den einweisenden Arzt sowie den Klinikarzt Therapieziele und -erwartungen formuliert, die nach der dreiwöchigen stationären Behandlung auf ihren Erreichungsgrad überprüft werden (siehe Tabelle). Zusammen mit den Behandlungstagen in der Abteilung für Naturheilverfahren liefern diese Daten Indikatoren für eine Beurteilung des erzielten Nutzens für den Patienten mit entsprechend anfallenden Kosten insbesondere im Vergleich mit anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens.
Eine Follow-up-Befragung des Patienten nach drei und sechs Monaten zeigt die Nachhaltigkeit der durchgeführten Behandlungen auf. Eine solche Nachbefragung ist insbesondere im Bereich der Naturheilverfahren von Bedeutung, da der zeitlichen Dimension der Behandlung hier eine besondere Rolle zukommt und oftmals geltend gemacht wird, dass sich ein Behandlungserfolg vor allem langfristig manifestiert.

Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen
Dr. rer. medic. Thomas Ostermann
Universität Witten-Herdecke
Gerhard-Kienle-Weg 4, 58313 Herdecke
Dr. med. André-Michael Beer, Klinik Blankenstein,
Im Vogelsang 5-14, 44527 Hattingen


´TabelleC ´
Dokumentation zur Evaluation von stationärer naturheilkundlicher Behandlung
Einweisender Arzt Einweisender Arzt
Arztfragebogen- Arztfragebogen-
Einweisung Wiedervorstellung
Patient: Patient: Patient: Patient:
Patientenfragebogen- Patientenfragebogen- Follow-Up- Follow-Up-
Einweisung Entlassung Fragebogen Fragebogen
GBB 24 GBB 24 GBB 24 GBB 24
SF 36 SF 36 SF 36
Bf-S Bf-S Bf-S Bf-S
HLQ HLQ HLQ HLQ
SES SES
Zufriedenheitsbogen
Klinikarzt: Klinikarzt:
Arztfragebogen-Einweisung Arztfragebogen-Wiedervorstellung
Behandlungsplanung Durchgeführte Medikation und Behandlungen

Einweisung Entlassung 3 Monate n. E. 6 Monate n. E .
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