ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2000Medizinstudium: Münchner Modell

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Medizinstudium: Münchner Modell

Dtsch Arztebl 2000; 97(40): A-2610 / B-2228 / C-2091

Putz, Reinhard

Zu dem Beitrag „Problemorientiertes Lernen: Eine Chance für die Fakultäten“ von Prof. Dr. med. Winfried Kahlke et al. in Heft 36/2000:
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LNSLNS . . . Mit allem Respekt vor den Hamburger Reformide-
en darf darauf hingewiesen werden, dass die Medizinische Fakultät der LMU München bereits seit 1997 trotz ihrer Überflutung durch circa 840 vorklinische und circa 500 klinische Studierende pro Jahr POL auf breiter Basis in das klinische Curriculum integriert hat. Eine genaue Analyse, wie das Medizinstudium den Anforderungen an die zukünftigen Ärztinnen und Ärzte angepasst werden kann, hat hier zur stufenweisen Entwicklung eines Unterrichtsmodells (Münchner Modell) geführt, in dem versucht wird, die auch aus internationaler Sicht gewürdigten Positiva des auf der Approbationsordnung beruhenden derzeitigen Systems mit der zukunftsweisenden Methode des POL zu verbinden. Überaus hilfreich war dabei die Kooperation mit Ausbildungsexperten der Harvard Medical School, die bereits seit etwa 15 Jahren Erfahrungen mit dem POL besitzt. Inzwischen durchlaufen jedes Semester circa 960 Studierende die bereits eingerichteten vier jeweils einmonatigen POL-Kurse. Etwa 120 in eigenen Trainingskursen ausgebildete Tutoren aus allen Schichten der Fakultät, inklusive der C4-Professoren, setzen sich dabei engagiert ein. Mittlerweile wirken 500 Mitglieder der Fakultät in den neuen Kursen persönlich mit. Dass das Programm von einer externen Prozessevaluation begleitet wird, versteht sich von selbst.
. . . Die Frage . . . , ab welchem Zeitpunkt des Medizinstudiums die Studierenden mit POL konfrontiert werden sollten und in welches Verhältnis man ein systematisches Stoffangebot gegen-
über POL stellen sollte, ist absolut offen. Die Erfahrungen aus Ländern mit anderen Schulsystemen bis zur Col-
lege-Stufe lassen sich einfach nicht ungefiltert auf Deutschland übertragen.
Schaut man sich die Integration von POL in das Curriculum verschiedenster ausländischer medizinischer Fakultäten an, so sieht man, dass es sehr verschiedene, den lokalen Verhältnissen jeweils entsprechende Modelle gibt. Berücksichtigt man überdies die sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen, wie Zulassungsmodalitäten, Trägerschaft, Studiengebühren, Stellenwert der Lehre gegenüber der Forschung etc., so gibt es wenig Sinn, unbedingt auch alle deutschen Universitäten in das Prokrustesbett „POL vom ersten Tag an“ zwängen zu wollen. Eine systematische Grundausbildung stellt ein Kapital für das Berufsleben dar, das man den jungen Ärztinnen und Ärzten nicht vorenthalten sollte. Die Rückfrage bei den von unserer Fakultät für das PJ nach Harvard entsandten Studierenden zeigt, dass gerade die Verfügbarkeit über ein systematisches Grundwissen ein herausragender Vorteil gegenüber den amerikanischen Kolleginnen und Kollegen darstellt . . .
Prof. Dr. med. Reinhard Putz, Anatomische Anstalt, Ludwig-Maximilians-Universität München, Pettenkoferstraße 11, 80336 München
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