ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2000Anatomie – Besser: intensivieren

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Anatomie – Besser: intensivieren

Dtsch Arztebl 2000; 97(40): A-2613 / B-2243 / C-2087

Hasse, Joachim

Zu dem Beitrag „Reform des Medizinstudiums: Anatomie in der Zange: Gefährdung von zwei Seiten“ von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Ulrich Welsch in Heft 31–32/2000:
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LNSLNS Die Warnung von Ulrich Welsch vor einer Einschränkung des Studiums der Anatomie kann von Klinikern aller Fächer nur unterstützt werden. Die enorme Weiterentwicklung bildgebender Verfahren kann sich beispielsweise nur dann sinnvoll auswirken, wenn den Darstellungen in unterschiedlichen Schnittebenen die Vertrautheit mit der makroskopischen Anatomie und anatomisches Vorstellungsvermögen zur Seite stehen. Nicht nur Radiologen müssen in der Lage sein, die bildliche Darstellung in Morphologie und pathologische Morphologie umzusetzen, sondern auch der in verschiedensten Bereichen tätige Kliniker. Ein Weiteres ist zu bedenken: Bereits jetzt sehen wir schwere Defizite bei der Bewertung klinischer Befunde auf der Basis physikalischer Untersuchungen, sei es am Bewegungsapparat, sei es am Stamm, sei es mit dem Tastsinn, optisch oder mit Stethoskop und Ultraschall. Ohne Kenntnisse der Anatomie bleiben klinische Untersuchungskurse fruchtlos. Die Verkümmerung des Verständnisses klinischer Befunde ist eine der Ursachen für die Verteuerung der Diagnostik in heutiger Zeit. Will man dieser Entwicklung entgegensteuern, so muss das Studium der Anatomie nicht nur erhalten, sondern vielmehr intensiviert werden. Es dürfte nicht schwer fallen, den Studierenden diese unerlässliche Verknüpfung der ältesten exakten Primärwissenschaft der Medizin mit den heutigen Bedürfnissen einleuchtend sichtbar zu machen. Hier wäre auch modellhaft und motivierend eine frühzeitige Verflechtung mit klinischer Diagnostik zu vermitteln . . .
Prof. Dr. Joachim Hasse, Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Lungenchirurgie, Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg
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