ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2000Zwischen Wissens- und Verwaltungsökonomie. Zur Geschichte des Berliner Charité-Krankenhauses im 19. Jahrhundert

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Zwischen Wissens- und Verwaltungsökonomie. Zur Geschichte des Berliner Charité-Krankenhauses im 19. Jahrhundert

Dtsch Arztebl 2000; 97(40): A-2615 / B-2230 / C-1980

Engstrom, Eric J.; Hess, Volker

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LNSLNS Universitätsgeschichte
Lohnender Rückblick
Eric J. Engstrom, Volker Hess (Hrsg.): Zwischen Wissens- und Verwaltungsökonomie. Zur Geschichte des Berliner Charité-Krankenhauses im 19. Jahrhundert (Jahrbuch für Universitätsgeschichte, Band 3). Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2000, 268 Seiten, kartoniert, 78 DM
In einer Zeit, in der immer mehr Universitätskliniken ausgegliedert und zu GmbHs umgewandelt werden, lohnt sich der Rückblick auf die Situation vor etwas mehr als hundert Jahren. Der Einzug der medizinischen Wissenschaft in das Krankenhaus wurde nicht durchweg begrüßt, wie am Beispiel der Charité aufgezeigt wird. So waren bis weit ins 19. Jahrhundert hinein die universitären Kliniken in den Augen der Krankenhausverwaltung ein „Krebsschaden“, der sich immer mehr einfraß und die soziale Funktion des Spitals zum Absterben brachte, wie es ein Zeitgenosse drastisch ausdrückte.
Zur Geschichte der Charité gibt es erstaunlicherweise kaum sozialgeschichtliche Studien. In diesem Aufsatzband geht es um die „Bemächtigung“ dieses bedeutenden allgemeinen Krankenhauses durch die Berliner Universität. Intendiert ist eine Krankenhausgeschichte „von unten“, diesmal aber nicht aus der Patientenperspektive, sondern aus der Sicht der Akteure (Militärs, Kliniker, Pathologen, Verwaltungsbeamte, Ökonomen). Das Spektrum der Beiträge ist weit gespannt. Es reicht von der ambivalenten Stellung der damaligen Ärzteschaft zur Ausbildung im Krankenhaus über die uns zum Teil auch heute noch geläufigen Rationalitätskriterien der Krankenhausökonomen bis hin zu einem in der Geschichte des Krankenhauses häufig vernachlässigten Thema, nämlich der Kost und Verpflegung – beständiger Zankapfel zwischen Krankenhausärzten und Verwaltungsbeamten.
Besonders zu begrüßen ist, dass auch einige zentrale Quellen, die bislang ungedruckt waren, hier einer breiten Öffenlichkeit zugänglich gemacht werden. So muten uns einige der „Vorschriften für die in der Charité befindlichen Kranken“ durchaus modern an, wie zum Beispiel der § 10 dieser Verordnung: „Das Tabakrauchen ist den Kranken in der Anstalt nirgends erlaubt, und kann nur, wenn es behufs der Heilpflege für angemessen erachtet wird, ausnahmeweise gestattet werden.“ Robert Jütte
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