ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2000Hochdosis-Chemotherapie des Mammakarzinoms - Eine Standortbestimmung: Kein Vorteil durch Hochdosis-Chemotherapie

MEDIZIN: Diskussion

Hochdosis-Chemotherapie des Mammakarzinoms - Eine Standortbestimmung: Kein Vorteil durch Hochdosis-Chemotherapie

Dtsch Arztebl 2000; 97(40): A-2633 / B-2260 / C-2102

Tsamaloukas, Antonis

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Ulrike Nitz in Heft 5/2000
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LNSLNS Der Beitrag zur Hochdosis-Therapie beim Mammakarzinom hat in klarer und deutlicher Weise dargestellt, wie der derzeitige Stellenwert dieser Therapiemodalität einzuschätzen ist. In der Zwischenzeit haben sich jedoch zusätzliche und leider auch ernst zu nehmende Dinge ergeben: Dr. Bezwoda hat in einem Brief zugegeben, dass er mit seinen publizierten und während des ASCO vorgetragenen Studien wissenschaftlichen Betrug begangen hatte. Prof. Sledge hat die möglichen Folgen und Auswirkungen dieses Betruges sehr eindrucksvoll im Internet von Medscape (http://www.medscape.com./Medscape/....n01/wh0211.sled/wh0211.sled.
html) dargestellt. In der jüngsten Ausgabe des Journal of National Cancer Institute haben Hortobagyi et al. (1). ihre Ergebnisse der Hochdosis-Chemotherapie mit autologem Stammzellersatz bei Hochrisikopatienten (zehn oder mehr befallene Lymphknoten) gegenüber einer alleinigen Chemotherapie publiziert. Nach ihren Daten ergibt sich weder ein Vorteil im Relaps-freien noch im „overall survival“ für die Hochdosis-Behandelten. Die Morbidität der Hochdosis-Therapie war deutlich erhöht. Für eine Hochdosis-Therapie gibt es außerhalb klinischer Studien keine Indikation!
Das Konzept der Dosissteigerung in der Behandlung des Mammakarzinoms, wie es ursprünglich von E. Frei am Dana-Farber Cancer Institute entwickelt wurde, galt vor allem für alkylierende Agenzien. In der Zwischenzeit wurde dieses Konzept zum Beispiel auch auf Paclitaxel in einer Dosierung von mehr als 600 mg/m2 übertragen mit der Entwicklung einer akuten Enzephalopathie als neue und unerwartete Toxizität, an der mehrere Patienten verstorben sind (2, 3).
Die theoretischen Prämissen der dosisintensiven Therapie werden in der Praxis ja nur annähernd und nur für wenige Substanzen erreicht, zeigen in der Kombination wie beim STAMP I und V Regime (Solid Tumor Autologous Marrow Transplant Program) erhebliche Toxizitäten und können wie oben für Paclitaxel gezeigt zu völlig unerwarteten und leider tödlich endenden Komplikationen führen.

Literatur
1. Hortobagyi GN, Buzdar AU, Theriault RL et al.: Randomized trial of high-dose chemotherapy and blood cell autografts for high-risk primary breast carcinoma. Journal of the National Cancer Institute 2000; 92: 225–233.
2. Nieto Y, Cagnoni PJ, Bearman SI, Shpall EJ et al.:
Acute encephalopathy: A new toxicity associated with high-dose paclitaxel. Clinical Cancer Research 1999; 5: 501–506.
2. Rowinsky EK: On pushing the outer edge of the outer edge of paclitaxel’s dosing envelope. Editorial. Clinical Cancer Research 1999; 481–486.
Dr. med. Antonis Tsamaloukas
Schulstraße 16–18
40721 Hilden

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