ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2000Aragonien: Zwischen Jakobsweg und Aktivurlaub

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Aragonien: Zwischen Jakobsweg und Aktivurlaub

Dtsch Arztebl 2000; 97(40): A-2640 / B-2267 / C-2109

Mertens, Stephan

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LNSLNS Ein eher unbekanntes Spanien lässt sich am Fuß der Pyrenäen entdecken.

Die südlichste der vier großen Routen des Jakobswegs führte die Pilger aus den italienischen und germanischen Gebieten von Arles über den Gebirgspass von Somport nach Jaca, auf die spanische Seite der Pyrenäen. Auch heute ist Jaca, ein idealer Ausgangspunkt, um die Pyrenäen zwischen Huesca und dem Ordesa-Nationalpark zu erkunden. Abseits der ausgetretenen Touristenpfade locken zahlreiche Angebote für einen Aktivurlaub, ebenso wie den Spuren des Hochmittelalters in den zahlreichen romanischen Kirchen nachzuforschen. Unweit von Jaca befindet sich das 1025 gegründete Kloster San Juan de la Peña. Überragt wird die sich über zwei Ebenen erstreckende Anlage von einem riesigen Felsvorsprung. Im unteren Teil befindet sich die mozarabische Kirche aus dem 10. Jahrhundert und ein später erbauter Konzilsaal. Grabstätten der Könige Aragoniens und von Navarra sowie die romanische Kirche mit vom Felsvorsprung überdachten Kreuzgang befinden sich im oberen Bereich. Besonders im unteren, etwas gedrungen wirkenden Teil des Klosters ist es feucht und kalt. Hier schliefen, wohnten und beteten die Mönche. Die restaurierte Anlage vermittelt ihr karges und entbehrungsreiches Leben.
Auf der etwa eine Stunde dauernden Fahrt von Jaca in den Nationalpark Ordesa y Monte Perdido schlängelt sich die Straße auf immer höher gelegene Pässe vorbei an sattgrünen Almen und kleinen verlassenen Steindörfern. Der bereits seit 1918 bestehende Nationalpark steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO.
Das Centro visitantes ist der Ausgangspunkt für Wanderungen in die durch Gletscher geformten Täler des Kalksteinmassivs bis hinauf zum 3 355 Meter hohen Monte Perdido. Folgt man dem Rio Arazas flussaufwärts, gelangt man durch Laub- und Nadelwälder zu verschiedenen Wasserfällen. Von hier sind es noch drei Stunden Fußmarsch bis zur französischen Grenze. In den Kriegsjahren und auch danach war dies einer der Schmuggelpfade nach Frankreich.
Westlich vom Nationalpark, umgeben von Bergen, liegt an einem kleinen Stausee der Kurort Balneario de Panticosa. Nostalgiker und Freunde des Jugendstils können in dem heute völlig vergessenen Kurort den Prunk des Jahres 1900 nachspüren. Das alte Gran Hotel hat einen besonderen Charme, mit einer Atmosphäre, die irgendwo zwischen Zauberberg und Shining liegt. Üppiger Jugendstil und gut erhaltene und immer noch genutzte Bauhausmöbel zeugen von einer mondänen Vergangenheit.
Die wenigen, meist älteren Gäste nutzen die Thermalquellen, und die Hotels bieten Pauschalarrangements mit Badeanwendungen an. Neben einem Kuraufenthalt wird in Panticosa versucht, auch Aktivtouristen mit diversen Sportangeboten wie Wandern, Reiten, Klettern oder Gleitschirmfliegen anzusprechen. Wer Ruhe und Natur genießen möchte, ist hier am richtigen Ort.
Mehr Tourismus und Abenteuer findet man in Alquézar, einem sehr sehenswerten mittelalterlichen Dorf im Parques de la Sierra y los Canones de Guara, auf halbem Weg zwischen Huesca und Barbasto gelegen. Zahlreiche Flüsse haben sich bis zu 200 Meter tief in den weichen Kalkstein eingegraben und so entstand eine der beeindruckendsten Canyon-Landschaften. Seit zehn Jahren werden geführte Exkursionen von lokalen Anbietern in den zahlreichen Canyons angeboten. Ausgerüstet mit Neopren-Anzug, Trekkingschuhen und Helm kann man in das Flussbett des Rio Vero hinabsteigen. Schwimmend, gehend und kletternd bewegt man sich fort. Eingerahmt von den 200 Meter hohen schroff abfallenden Felswänden, die sich an manchen Stellen nur wenige Meter öffnen, hat sich eine bis vor kurzem noch völlig unberührte Natur mit Geiern und Greifvögeln erhalten.
Lange wird dieses Idyll aber nicht mehr bestehen, wenn die stark zunehmende Zahl abenteuerlustiger Touristen nicht gedrosselt wird. In der Hauptsaison werden beispielsweise auf einem etwa sieben Kilometer langen Stück des Rio Vero pro Tag bis zu 1 000 Personen durchgeschleust, und zwar im 15-Minuten-Takt. Hier ist ein verantwortungsvollerer Umgang gefragt, der den Tourismus wie die ökologischen Belange berücksichtigt. Stephan Mertens


Anreise: Iberia fliegt mehrmals täglich von Deutschland nach Barcelona. Von dort erreicht man Jaca mit dem Bus oder Auto in drei Stunden.
Weitere Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 180, 10707 Berlin oder Grafenberger Allee 100, 40237 Düsseldorf
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